Hinter die Kulissen zu schauen und neben den Dramen auch die Verschiedenheit und Schönheit des Orients zu entdecken - das war das Interesse des 2021 verstorbenen Nahost-Korrespondenten Dr. Martin Gehlen. Seine Reportagen und Geschichten spiegeln dabei eine große Offenheit gegenüber der Vielfalt der Kulturen und Liebe zu den Menschen wider. Dieses Buch versammelt ausgewählte Reportagen von Martin Gehlen und Bilddokumente seiner Frau, der Fotografin Katharina Eglau. Angesichts der andauernden Machtkämpfe und Kriege zwischen den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens tragen die Artikel und Essays auch heute noch zum Verständnis der aktuellen Situation bei.
Starke Analysen der arabischen Welt finden sich laut Rezensentin Edith Kresta in diesem Buch. Martin Gehlen hat zwischen 2008 und seinem Todesjahr 2021 als Pressekorrespondent aus verschiedenen Ländern in Nahost berichtet, die vorliegende Veröffentlichung präsentiert eine Auswahl seiner journalistischen Arbeiten, die, beschreibt Kresta, ein ernüchterndes Bild der Region zeichnen. Gehlen war dem arabischen Raum zugetan, erläutert Kresta entlang der Texte, war jedoch der Ansicht, dass die vom Westen durch Kapitalfluss unterstützte, nicht auf wirtschaftliche Aktivität, sondern auf die Ausbeutung von Bodenschätzen basierende autokratische Ordnung in vielen arabischen Ländern de facto nicht reformierbar ist. Auch, fährt die Zusammenfassung fort, die Verhärtung des politischen Islam seit den 1980ern, trägt zur Misere im arabischen Raum bei. Viel lernt man über den Nahen Osten aus diesem Buch, durchaus auch mit Blick auf ganz aktuelle Ereignisse und Entwicklungen, schließt die positive Besprechung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 11.10.2025
Rezensent Michael Hesse ist begeistert von den hier versammelten Texten des Journalisten Martin Gehlen. Herausgegeben hat sie dessen Lebensgefährtin Katharina Eglau, ein im Band erhaltenes Interview mit ihr erläutert den biografischen Bezug Gehlens zu Nordafrika und dem Nahen Osten. In den Texten selbst spielt der Sturz und die Inhaftierung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi eine Rolle sowie allgemein die Politikfähigkeit des politischen Islam - der, wenn wir Hesse richtig verstanden haben, tatsächlich für einen kurzen "Frühling der Freiheit" verantwortlich gewesen sein soll. Andere Themen der kompilierten Texte sind, erfahren wir, die grassierende Frauenfeindlichkeit in den Ländern, aus denen Gehlen berichtete, sowie die immer schwieriger werdende Situation von Juden in der Region. Alles in allem tolle Essays eines großen Journalisten, schließt Hesse.
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