Matthias Küntzel

Nazis und der Nahe Osten

Wie der islamische Antisemitismus entstand
Cover: Nazis und der Nahe Osten
Hentrich und Hentrich Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783955653477
Kartoniert, 272 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

1937 kam mit der Broschüre "Islam und Judentum" eine neue Form von Judenhass in die Welt: der islamische Antisemitismus. Die Nationalsozialisten taten alles, um diese neue Hassbotschaft mithilfe ihrer arabischsprachigen Radiopropaganda zu verankern. Das Buch beleuchtet dieses bislang unbekannte Kapitel deutscher Vergangenheit. Es präsentiert neue Archivfunde, die belegen, wie sich das Judenbild im Islam zwischen 1937 und 1948 unter dem Einfluss dieser Propaganda und sonstiger Nazi-Aktivitäten veränderte. Dieser neue Blick auf die Nahostgeschichte ermöglicht eine präzisere Beurteilung der Gegenwart: Was genau ist "islamischer Antisemitismus"? Wie tritt er gegenwärtig in Deutschland und Frankreich in Erscheinung? Was macht ihn besonders gefährlich? Erst wenn wir begreifen, wie stark die moderne Nahostgeschichte von den Nachwirkungen des Nationalsozialismus geprägt ist, werden wir den Judenhass in dieser Region und dessen Echo unter Muslimen in Europa richtig deuten und adäquate Gegenmaßnahmen entwickeln können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2020

René Wildangel vermisst Differenzierung in Matthias Küntzels Sachbuch. Über die Verlagsankündigung einer Betrachtung eines unbekannten Kapitels deutscher Vergangenheit kann er nur staunen. Er selbst kennt "unzählige" Werke zur Beziehungsgeschichte zwischen Nationalsozialismus und Nahem Osten, etwa von Stefan Wild oder Gerhard Höpp. Dass der Autor solche Quellen kaum erwähnt, scheint ihm kritikwürdig. Küntzels These, der Nahostkonflikt sei ein "Langzeiteffekt antisemitischer Nazipropaganda" bleibt für Wildangel vor allem Behauptung. Tatsächlich scheinen ihm die Quellen ein ungleich komplexeres Bild nahezulegen als das vom Autor entworfene, das Israel von seiner Verantwortung im israelisch-palästinensischen Konflikt befreien soll, wie der Rezensent mutmaßt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 17.10.2019

Thomas Klatt versteht das Buch des Politikwissenschaftlers Matthias Küntzel als Aufklärungsarbeit. Indem der Autor zeigt, wie die Nationalsozialisten über das Radio im Nahen Osten den Judenhass schürten, wie sie mit dem Großmufti von Jerusalem kollaborierten und den latenten Antijudaismus in der arabischen Welt für ihre Zwecke nutzten, legt er laut Klatt die Spur bis in die Gegenwart und zu den Nachwirkungen der NS-Propaganda in der islamisch geprägten Welt.

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