Marlies ist nicht zu beneiden: Den Sommer vor dem Abitur soll sie bei ihrer verwirrten Oma verbringen, um ihr das Haus als Erbe abzuschwatzen. Seit einer Weile macht sich auch an ihrer linken Hand eine unheimliche Schwellung bemerkbar, die nicht vergehen will. Was wie eine Coming-of-Age-Geschichte beginnt, hebt ab zu einem tragikomischen Roman über Angst und Scham und Selbstbehauptung. Denn als Marlies sieht, dass ihr eine Klaue aus dem Finger wächst, die bald ein unheimliches Eigenleben entwickelt, beginnt eine rasende Suche nach Rettung - und die Ereignisse überschlagen sich.
Ein tolles, souverän zwischen verschiedenen Genres manövrierendes Buch hat Martin Lechner laut Rezensent Oliver Jungen beschrieben. Es beginnt als Jugendroman um die 17-jährige Marlies, die im Auftrag ihrer Mutter und dessen neuen Freundes ihre Großmutter vor einem Erbschleicher beschützen soll. Und dabei allerdings einerseits einen Nachbarsjungen der Oma kennen und lieben lernt und andererseits, beschreibt Jungen, körperliche Veränderungen an sich bemerkt. Genauer gesagt wächst ihr eine Kralle - und der gesamte Roman wandelt sich in Richtung Werwolf-, beziehungsweise Werkatzenhorror. Später mutiert das Buch fröhlich weiter, unter anderem zum Liebes-Road-Trip und zum Psychodrama, erläutert der von all dem sehr angetane Rezensent, außerdem steht deutlich Michelangelo Antonionis Filmklassiker "L'Avventura" Pate. Nicht nur den Wechsel zwischen verschiedenen Genres klappt, freut sich Jungen, auch verschiedene Tonfälle zwischen einfühlsamem Teenieporträt und lustig-groteskem Werkatzen-Horror bekommt er phänomenal hin. Das Ende erklärt ein bisschen zu viel aus, schränkt Lechner sein Lob ein, sonst aber durchweg eine runde Sache, so das Fazit.
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