Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2026
ISBN
9783455021561 Gebunden, 160 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Eine Frau konserviert über Jahrzehnte alle ihre Lebensmittel, ohne sie jemals zu essen. Im Ferienlager wachsen Perlen in Kindermündern. Eine Tochter spinnt ihren Vater in einen Kokon aus Haaren ein. Bei Ellika Lagerlöf wird das Groteske zur Normalität. Ihre Erzählungen haben alle den menschlichen Körper zum Gegenstand - seine Funktionen, Formen, Sekrete und Potenziale. Mit radikaler Fantasie sprengt sie die Logik und die Grenzen des Vorstellbaren, treibt ihre Plots an die roten Linien, die das sprachlich Ästhetische vom Ekligen trennen und einen Lesesog auslösen, dem man sich nicht entziehen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.05.2026
Eine im Jahr 2000 geborene Autorin sorgte in Schweden kürzlich für "literarische Furore". Zurecht, findet Rezensentin Manuela Reichart nach der Lektüre von Ellika Lagerlöfs außergerwöhnlichem Debüt. Als einen ihrer literarischen Vorfahren nennt die Autorin selbst Franz Kafka. Ihre Rezensentin erkennt einen weiteren: den Horrorfilm-Regisseur David Cronenberg. In seinen Filmen, wie "Crash", führte der Regisseur genau wie seine junge "Schwester im Geiste" immer wieder an die Grenzen alltäglicher Körpererfahrungen und darüber hinaus, erklärt Reichart. In "Body" versammelt Lagerlöf nun Geschichten, die stets ganz realistisch, in gewohnten Settings beginnen, jedoch immer wieder auf neue Weise die Erwartungen ihrer Leserinnen und Leser unterlaufen, um Affekte von Abscheu und Ekel zu untersuchen. Ein Mädchen im Sommerlager entdeckt, dass in den Mündern der übrigen Kinder Perlen gezüchtet werden; eine junge Frau bewahrt ihre Geschlechtsteile im Badezimmer auf, ein Ehepaar hat Freude an den Hinterlassenschaften früherer Besucher in einem unreinlichen Hotel. Lagerlöfs "Körper-Rätsel" werden dabei nicht aufgelöst. So bleibt die Rezensentin nachhaltig und produktiv verstört zurück.
Rezensentin Undine Fuchs möchte nach der Lektüre von Ellika Lagerlöf Ekelorgie bitte ein "schönes Buch". Der Debütband enthält allerhand, was die Grenzen des Erträglichen in Sachen Körperflüssigkeiten und -abnormitäten und das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen auslotet, lesen wir. Diese Storys unterhalten sie zwar zunächst auf kluge Weise und mit nur manchmal konstruiert wirkendem Humor. Auf Dauer jedoch führen die Geschichten über sich selbst kastrierende Kinder und Babys in Reisekoffern zu Überreizung, findet Fuchs. Und überhaupt, überlegt die Kritikerin: "Feuchtgebiete", hatten wir das nicht schon?
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