Grelles Licht für darke Leute
Stories

S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN
9783758700286
Gebunden, 272 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem argentinischen Spanisch von Silke Kleemann und Inka Marter. Ein Gesicht verwest bei lebendigem Leibe. Tote verfolgen ihre Nachbar*innen. Frauen werden zu Vögeln. Es geht um den Horror des Alltags, die Gewalt, der Frauen und queere Menschen tagtäglich ausgesetzt sind. Und um die Kraft der Vorstellung, die sich widersetzen kann. Und sei es durch Erkundung der Finsternis.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2026
Die Argentinierin Mariana Enriquez ist für den Rezensenten Jan Wilm die unbestrittene Königin des Horrors, das stellt sie auch mit diesem Erzählungsband unter Beweis: Die Geschichten drehen sich um das alltägliche und gerade deshalb so grauenvolle Leben, das von realem und fantasiertem Horror heimgesucht wird. Einer Protagonistin wird das Gesicht verwischt wie Farbe auf einem Gemälde, sie hat Angst, dass sie sich das Leben nehmen wird wie ihre Mutter, schildert Wilm, in einer anderen Story finden die Verkäuferinnen eines Second-Hand-Shops Spuren in der Kleidung einer Verstorbenen, die zeigen, dass ihr Mann ihr Gewalt angetan hat. Auch in anderen Geschichten werden die Figuren von Traumata und Geistern verfolgt, für den Kritiker sind die Texte gerade deshalb so gut, weil sie mithilfe von Horror- und Fantasy-Traditionen zeigen, dass die Grausamkeit im Realen liegt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 09.01.2026
Zutiefst beeindruckt schreibt Rezensent Oliver Jungen über Mariana Enriquez' Erzählungen, die ihm als "magischer Realismus, der seine Unschuld verloren hat" erscheinen. Die Erzählungen gehören zum Genre des feministischen Bodyhorror, erklärt der Kritiker, der hier keine simplen Allegorien vorfindet. Geister von Müttern und Teenagern klagen den Lebenden ihr Leid und ihre Wut, eine Frau lässt sich nach einer OP ihr Myom wieder einsetzen, eine andere Frau wird von einem nacktschneckenartigen Wesen auserwählt, es lebenslang zu pflegen, lesen wir. Enriquez hat keine Hemmungen vor grellen, plakativen Bildern und deutlicher Gesellschaftskritik, doch sie bietet viel mehr als das: stilistisch selbstsicher, in überraschenden, außergewöhnlichen Plots und mit einem ganz eigenen Humor erzählt sie von weiblicher Emanzipation und dem Kampf um Diskurshoheit, oder besser gesagt: sie vollzieht diese Emanzipation und diesen Kampf auf dem Feld der Literatur - spielerisch, fantasievoll und sinnlich, so der faszinierte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.12.2025
Rezensentin Isabella Caldart freut sich über das Schaudern, das diese zwölf Horror-Kurzgeschichten der argentinischen Autorin bei ihr erzeugen. Aus feministischer Perspektive erzählen alle Geschichten von unterschiedlichen Alltagskonflikten, den weibliche wie queere Menschen in einem Patriarchat ausgesetzt sind, durchsetzt von plastischem Body Horror und übernatürlichen Erscheinungen, beobachtet die Kritikerin. Da tauchen etwa unheimliche Jungen mit gänzlich schwarzen Augen auf, in einer anderen Geschichte muss die Heldin dabei zusehen, wie sie ihr eigenes Gesicht verliert, resümiert die Kritikerin. Auch wenn ihr manche der schwächeren Geschichten in ihrem Einsatz von Horror-Elementen zu plakativ erscheinen, gibt es genug andere, die durch die gekonnte Mischung aus subtilem Schrecken und Gesellschaftsanalyse bestechen, lobt Caldart diesen komplexen Band.