Die Religionen sind weltweit auf dem Vormarsch. Sie werden - auch im Westen - zunehmend zu einem politischen und moralischen Machtfaktor. Der religiöse Fundamentalismus, ob er nun christlich ist oder islamisch, spielt dabei eine herausragende Rolle. Martin Riesebrodt entwirft hier eine Religionstheorie, die den Zusammenhang von Religion und Moderne erklärt, und geht den kulturellen, sozialen und ökonomischen Entstehungsbedingungen und Auswirkungen des Fundamentalismus nach. Besonderes Augenmerk gilt dem patriarchalischen Grundzug fundamentalistischer Bewegungen und der Frage, warum sich trotzdem gerade Frauen in diesen Bewegungen engagieren. Aus diesen Untersuchungen ergibt sich ein überzeugendes Gegenszenario zu Huntingtons "Kampf der Kulturen".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 12.03.2001
Ulrike Brunotte ist hell erfreut darüber, dass endlich ein Autor die Bildfläche betritt, der Samuel Huntingtons berühmt-berüchtigter These vom "Kampf der Kulturen" eine schlüssige und ideologiekritische Analyse der fundamentalistische Züge im Islam wie auch im Christentum gegenüberstellt. Allein schon dafür erntet der Fundamentalismusforscher Martin Riesebrodt, der seit über zehn Jahren in Chicago lehrt, ein dickes Lob von der Rezensentin. Riesebrodts Amerikaaufenthalt wirkt sich auch positiv auf den Schreibstil aus, merkt Brunotte an: Komplizierte Sachverhalte wisse er in eine verständliche und klare Sprache zu übersetzen. Gerade die vom Autor entwickelte neue Religionstheorie ist so auch für Nicht-Soziologen verständlich, meint die Rezensentin. Aber nicht nur die Sprache besticht. Interessant findet Brunotte, dass der Soziologe weniger eine theologische als eine pragmatische Perspektive religiöser Praxis entwickelt. Religiöse Rituale funktionieren für den Autor als Krisenmodulatoren in modernen Gesellschaften. Besonders spannend findet die Rezensentin das letzte Kapitel des Buches. Die Interviews mit südkoreanischen Charismatikerinnen zeigten einmal mehr, wie gesellschaftliche Krisen - hier der Konflikt zwischen emanzipatorischer und traditioneller Frauenrolle - zu religiösem Engagement führen können, berichtet Brunotte. Und trotzdem ändere sich nichts. Fundamentalismus ist und bleibt Männersache. Ein Ergebnis, das Riesebrodts Untersuchung eindeutig präsentiert, erklärt die Rezensentin - zustimmend.
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