Mit dem "Wilden Westen" erschufen sich die Amerikaner ihren nationalen Gründungsmythos, der im Western unzählige Male heraufbeschworen wurde. Martin Weidinger zeigt, dass in Western-Filmen bestimmte Vorstellungen über Gemeinschaften, von der kommunalen bis zur staatlichen Ebene, vermittelt und Rollenangebote und Identitätsmodelle für Frauen und Männer bereitgestellt werden. Deren Analyse macht politische und gesellschaftliche Entwicklungen in den USA nachvollziehbar bis hin zur Selbstinszenierung des derzeitigen Präsidenten George W. Bush.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2006
Dass der Western zur "kollektiven Identitätsstiftung" der USA beigetragen hat, kann Bert Rebhandl nur unterschreiben. Allerdings ist ihm Martin Weidingers Blick auf das Genre, der den Western mehr oder weniger als politisches Mittel zum "Nation Building" betrachtet, ein wenig zu eng. Rebhandl sieht in "High Noon" oder "Unforgiven" vielmehr ein Wechselspiel aus Zivilisation des Ostens und Wildnis des Westens am Werk. Das bewunderte Wilde gehe verloren, die erstrebte, aber nicht so aufregende Zivilisierung gewinne die Oberhand. "Der Western schafft den Westen ständig ab und beschwört ihn gleichzeitig mit aller Macht wieder herauf." Die "mythische Vieldeutigkeit" dieser Beziehung hätte sich Rebhandl gerne ausführlicher diskutiert gewünscht. Weidinger, so vermutet er, hat die Eigendynamik des Westerns und die von ihm entwickelte eigene Form einer "Dialektik der Aufklärung" vielleicht nicht ernst genug genommen.
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