Ihr Name steht für Freigebigkeit und Großzügigkeit: Wagmuhawin, Rasselfrau, so heißt die Erzählerin Mary Louise Defender Wilson in der Sprache der Dakota, die am Missouri-Oberlauf im heutigen North Dakota leben und zusammen mit benachbarten Gruppen jene berühmten Sioux bilden, die unser Bild der Indianer Nordamerikas noch immer prägen. Im "Größeren Bärenhaus" ihres Stammes werden Geschichten seit vielen Generationen erzählt, und seit Jahren ist Mary Louise Defender Wilson eine der bekanntesten indianischen Erzählerinnen, die auf ihren Reisen durch die USA ihre Geschichten vorträgt. Der Ethnologe Michael Schlottner hat die Erzählungen im Jahr 2003 auf Tonband aufgezeichnet und für diese Ausgabe ausgewählt und übersetzt. Sie liegen damit zum ersten Mal in schriftlicher Form vor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2006
Mary Louise Defender Wilsons Erzählband dokumentiert für Rezensent Hartwig Isernhagen die Lebendigkeit der Literatur der nordamerikanischen Indianer. Bei den Geschichten handelt es sich nach Auskunft von Isernhagen zum großen Teil um die Verschriftlichung von traditionellen indianischen Erzählstoffen, die bisher nur mündlich weitergegeben wurden. Er bescheinigt dem Übersetzer und Herausgeber Michael Schlottner, die Differenz zwischen mündlichem und schriftlichen Erzählen bei seiner Übertragung der Geschichten zu berücksichtigen und die Texte in einem Zustand "scheinbarer Unvollständigkeit" zu belassen. So bilden sie nach Ansicht Isernhagens "Gerüste für eine erzählerische Performance", die jeder Leser selbst vollziehen müsse. Die thematisch breit gefächerten Geschichten verdeutlichten zudem, wie wenig das Wissen und die Kultur der Indianer mit den europäischen Klischeebildern von ihnen gemein hat. Das Überleben der indianischen Kultur sieht Isernhagen auch dank des vorliegenden Bandes nicht gefährdet. Schließlich garantiere Wilsons kreative Aufnahme traditioneller Erzählstoffe in der Gegenwart die Möglichkeit ihrer Zukunft.
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