Aus dem Amerikanischen von Martina Wiese. Das lesende Gehirn erkundet die wundersame Fähigkeit unseres Denkorgans, sich als Reaktion auf äußere Veränderungen immer wieder anzupassen und neu zu organisieren. Diese "offene Architektur" - also die Elastizität und Plastizität - unseres Gehirns hilft den Menschen einerseits, lesen zu lernen und geschriebene Sprache zu verarbeiten, kann ihnen andererseits aber diesen Prozess auch erschweren. Maryanne Wolf beschreibt nicht nur, wie und wann sich in der Geschichte der Menschheit Schriftsysteme und Lesefähigkeiten entwickelt haben, sondern zeigt auch auf, welche Veränderungen in unseren Gehirnen stattfinden, wenn wir lesen und uns nach und nach von Leseanfängern zu immer erfahreneren Lesern wandeln. Und sie geht der Frage nach, was in Menschen vorgeht, die etwa an Lese-Rechtschreib-Schwäche leiden und gegen sie ankämpfen. Wolf bringt gleichermaßen ihre persönliche Leidenschaft und ihre schriftstellerische Gabe in diese Geschichte des lesenden Gehirns ein. Jeder, der gerne liest, wird von diesem kleinen Meisterwerk populärwissenschaftlicher Literatur fasziniert sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.2009
Rezensent Thomas Thiel ist alarmiert. Das Plädoyer der Leseforscherin Maryanne Wolf liest Thiel mit echter Aufmerksamkeit, "deep-reading" sozusagen. Dank der doppelten Basis des Buches (die reiche Lesebiografie der Autorin plus ihr neurowissenschaftlich geschulter Blick) erscheinen ihm Wolfs Thesen als "hartes wissenschaftliches Problem" mit pädagogischen und neurowissenschaftlichen Implikationen und Konsequenzen. Was genau der Akt des Lesens eigentlich ist (eine welterschaffende Leistung unseres Gehirns) und in welcher Weise er von der Informationsgesellschaft bedroht ist, lernt Thiel in dieser Struktur- und Faszinationsgeschichte des Lesens. Er stellt fest: Wolfs "kulturelle Diagnose" verrät ein Schwellenbewusstsein, das die Ausbildung zum tiefen Lesen im Gegensatz zum bloßen Verarbeiten von Informationen als echte Aufgabe erscheinen lässt.
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