Die gegenwärtige Debatte um die Hirnforschung und ihre Folgen für unser Menschenbild, für Gesetzgebung, Rechtsprechung, Erziehungsstile und Geschichtsverständnis spielt sich in einer wenig reflektierten Sprache ab. Von neurophysiologischen Termini bis zur populärphilosophischen Rede über Kognition, Willensfreiheit und Selbstbewusstsein, von der wissenschaftstheoretischen Diskussion über Erfahrung, Experiment, Beweisen und Widerlegen bis zu weltanschaulichen Anrufungen von Werten reicht die Bandbreite sprachlicher Mittel. Polemische Schärfe und begriffliche Oberflächlichkeit sind die komplementären Züge eines Aufeinandereinredens und Aneinandervorbeiredens, denen philosophisch mit Sprachkritik zu begegnen ist. Zwar sind die diskutierten Fragen sicher keine reinen Sprachprobleme. Aber ohne Klärung der sprachlichen Verhältnisse sind sie gar nicht zu klären.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.05.2009
Mit Spannung erwartet Michael Pawlik schon künftige Diskussionsbeiträge auf dem Feld der Hirnforschung. Nach dem Buch von Peter Janich denkt er sie sich als von einem anderen argumentativen Kaliber als bisher. Pawlik schildert seine Begeisterung für ein Buch, das die Gefahr der Selbstabschließung eines ganzen Wissenschaftszweiges auf dessen Sprachverständnis zurückführt. Naturwissenschaft als Kulturtechnik gegen den naturalistischen Monismus. Dafür, dass Pawlik überzeugt ist von den im Buch ausgeführten Thesen, sorgt vor allem die "bezwingende Logik" ihres Autors.
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