Gier und Bluff haben ein Systembeben ausgelöst. Wenn Renditen und Boni sich von realen Werten abkoppeln, droht der kollektive Kollaps. Zeit also zum Umdenken: Der Philosoph Matthias Müller verteidigt das gewöhnliche Leben gegen seine Verächter. Ein leidenschaftliches Plädoyer für den guten, alten Spießer, für Sparbuch und Schwarzwaldferien, für die gesunde Skepsis gegen Hochstapelei und extravagante Glückstechniken. Was zählt, ist das Einfache und Bewährte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.06.2010
Ganz sympathisch, aber auf Dauer dann doch eher einschläfernd findet Rezensent Manfred Geier die Forderungen, die der kulturkritische Moralphilosoph Matthias C. Müller in seinem neuen Essay "Alle im Wunderland" stellt. Es müsse endlich Schluss sein mit dieser Fixierung auf das extravagante, elitäre, herausragende Individuum, das von Platon bis Nietzsche und Heidegger im Zentrum der Philosophie gestanden habe, vielmehr sollten die "gewöhnlichen, unauffälligen" Menschen mit ihren Freuden und Ängsten zwischen Taufe und Seniorennachmittag in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Fernab von allem medialen Sirenengesang rufe der Philosoph nach einer Rehabilitierung des Gewöhnlichen, denn angesichts des drohenden Todes, sei dieses doch mehr als reizvoll. Dies schütze vielleicht vor Selbstüberforderung, mehr aber auch nicht, so der gänzlich unaufgeregte Kritiker.
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