Forderungen, Sozialstandards in die Welthandelsordnung einzubeziehen, werden gegenwärtig in Industrie- und Entwicklungsländern kontrovers diskutiert. Die Darstellung untersucht, wie sich die Tätigkeit der Staatengemeinschaft im Rahmen von ILO und WTO auf die Verwirklichung von Sozialstandards in Entwicklungsländern auswirkt. Im einzelnen prüft der Verfasser, welche Chancen und Grenzen ein handelspolitischer Sanktionsmechanismus zur Durchsetzung dieser Rechte aus menschenrechtlicher, verfahrenstechnischer und entwicklungspolitischer Sicht hätte. Dabei wird deutlich, daß ein in der WTO-Ordnung enthaltener Sanktionsmechanismus komplexen Zusammenhängen zwischen Freihandel und Wohlfahrt genügen müßte. Die verfahrenstechnischen Anforderungen und politischen Erfolgsaussichten einer entsprechenden Regelung werden eingehend erörtert. Die rechtswissenschaftliche Arbeit richtet sich sowohl an entwicklungspolitisch als auch an welthandelsrechtlich interessierte Leser und überzeugt durch ihre methodisch und inhaltlich ungewöhnlich weite Perspektive.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2000
Gregor Schöllgen stellt fest, dass die Bilanzen, die der Autor in seiner Studie zieht, äußerst ernüchternd ausfallen. Dies gilt beispielsweise für Reuß` Untersuchungen darüber, inwiefern die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) daran beteiligt ist, "die menschenrechtliche Dimension sozialer Standards im öffentlichen Rechtsbewusstsein zu verankern". Reuß vertritt, so Schöllgen, dabei die Ansicht, dass das Völkerrecht nur wenig an den Lebensbedingungen der Bevölkerung ändern könne. Ähnlich kritisch fällt nach Schöllgen das Urteil des Autors über die Welthandelsorganisation WTO aus, die seiner Ansicht nach hinter ihren Ansprüchen zurückbleibt und die Entwicklungsländer "in zahlreichen Einzelfeldern benachteiligt". Und nicht zuletzt komme Reuß zu dem Ergebnis, dass an Sanktionen gebundene Sozialklauseln für "sozialpolitische Korrekturen" ungeeignet sind, was er offenbar auch zur Zufriedenheit des Rezensenten zu begründen weiß.
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