Hrsg. von Hiltrud und Günter Häntzschel. Nur allzu oft haben sie das Sagen und das letzte Wort: die Bescheidwisser, Prinzipienreiter und Standpunktvertreter, die - oft selbsternannten - Spezialisten in allen Lebensfragen. Wie diese Spezies den alltäglichen Umgang der Menschen miteinander bestimmt, führt Mechtilde Lichnowsky an vielen anschaulichen Beispielen vor. Sprachlich und analytisch ist sie dabei zweifellos an Karl Kraus geschult: die Genauigkeit des Blicks, die analytische Schärfe, das Gespür für phrasenhafte Verwendung der Sprache im Alltag. Aber was sie besonders auszeichnet ist ein wunderbarer Humor, der in seiner Leichtigkeit an Kurt Tucholsky erinnert sowie der Mut zu pointierten und oft überraschenden Wortneuschöpfungen. Die Alltagsbeobachtungen, Reflexionen und szenischen Dialoge, teilweise mit Zeichnungen illustriert, sind von einer eindrucksvollen Lebendigkeit und einem bezaubernden Witz. Die in - man würde heute wohl sagen - "auskennerischer" Pose vorgebrachten Behauptungen des Experten werden vom blitzgescheiten Laien in ihrer Borniertheit gnadenlos entlarvt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2024
Rezensentin Katharina Teutsch empfiehlt den von Hiltrud und Günter Häntzschel herausgegebenen Band mit Aphorismen und Anekdoten von Mechtilde Lichnowsky als Ergänzung zum Gesamtwerk der umtriebigen Autorin. Was Lichnowsky vor hundert Jahren über salbadernde philiströse Fachidioten aufgeschrieben hat, hält Teutsch für durchaus zeitgemäß, wenngleich im Vergleich zu "unserem" Heer der Trolle, Wahrheitsfanatiker und Verschwörungstheoretiker noch für harmlos. Wie die Autorin neusachlich ein Gegenbild zur Fachmannkultur entwirft und die Intuition feiert, scheint Teutsch jedenfalls unterhaltsam und pointiert und einer Neuauflage wert.
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