Der Islam ist in den täglichen Nachrichten zur festen Größe geworden. Islamistisch motivierte Terroristen haben Zulauf in vielen Teilen der Welt. In Europa entwickeln sich Parallelgesellschaften, die zum Teil offenbar aus islamischen Ländern gesteuert werden. Viele Europäer haben Überfremdungsangst und fragen sich, warum nicht mehr Muslime gegen Gewalt im Namen ihrer Religion demonstrieren. Der Islam scheint selbstbewusst zu expandieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Religionswissenschaftler Michael Blume erklärt das Szenario als Symptom einer tiefen Krise des Islams. Er geht dem unterschiedlichen Verständnis von Religion und Staat in den christlich und islamisch geprägten Gesellschaften auf den Grund. Er zeigt die massiven Säkularisierungsprozesse auch unter Muslimen auf und benennt die innerislamischen Gründe, die die einstige Hochkultur in Krisen und Kriege stürzen ließ. Das Buch bietet eine Chance für alle Beteiligten, die Krise des Islams und die Konflikte zwischen den Kulturen besser zu verstehen und zu neuen Lösungswegen zu kommen
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2018
Christian Meier erfährt vom Religionswissenschaftler Michael Blume, inwieweit sich der Islam in der Krise befindet. Den "stillen" Rückzug vieler Muslime aus der Religion belegt Blume laut Rezensent mit Statistik und mit dem Nachweis, dass die institutionelle Vertretung durch die Islamverbände eher schwach sei. Die These vom Islam als "Lippenbekenntnisreligion" belegt der Autor laut Meier außerdem mit der demografischen Entwicklung und sinkenden Geburtenraten in der islamischen Welt. Für Meier ist das teils differenziert und aufschlussreich belegt, teils aber auch weniger überzeugend, wie etwa das Kapitel über die Erstarrung des Islams durch das Verbot der Druckerpresse im 15. Jahrhundert. In diesem und weiteren Fällen bleibt der Autor allzu eindimensional in seinen Erklärungen, kritisiert Meier.
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