Auf die Frage, was er denn einmal werden wolle, gibt ein Fünfjähriger bei einer Razzia in Süddeutschland zur Antwort: "Ich will in den Heiligen Krieg ziehen und Ungläubige töten, wie mein Vater." Ein Einzelfall? Nein. Hunderttausende muslimische Jugendliche radikalisieren sich; auch in Europa ist die zweite und dritte Generation der Einwanderer oft radikaler als ihre Eltern. Daran ist nicht nur die gescheiterte Integrationspolitik schuld, vielmehr gibt es ein Netz des Islamismus, das hauptsächlich über das Internet die Radikalisierung vorantreibt. Die Autoren erzählen die beunruhigenden Biografien von jungen Männern, die zunächst integriert in Europa lebten und dann zu Terroristen wurden. Es ist ihnen gelungen, in der wichtigsten Koranschule der Taliban zu recherchieren und zu berichten, was dort gelehrt wird. Sie legen die Gründe offen, warum für viele jugendliche Muslime Osama bin Laden "unser Che Guevara" ist.
Als "packendes Buch" und "große Reportage" feiert Rezensent Wolfgang Schwelien diese Publikation, die als "kurze Geschichte des neuen Terrorismus in Europa" aus seiner Sicht genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Die drei Autoren seien den wesentlichen Fragen zum Thema nachgegangen, hätten mit jungen Muslimen und geistigen Wegbereitern des Islamismus in Deutschland, Großbritannien, Afghanistan, Pakistan, Marokko und selbst im Irak gesprochen. Mut haben die Autoren aus Sicht des Rezensenten besonders bewiesen, als sie sich mit jungen in den Irak gezogenen Kämpfern zum Interview "irgendwo im Nahen Osten" trafen. Aufschlussreich fand Schwelien auch den Hintergrundbericht über die drei Selbstmordattentäter von London. Besonders nah ist ihm eine Reportage über drei zum Islam konvertierte Kinder einer russlanddeutschen Familie in Ulm gegangen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.09.2006
Aufschlussreich findet Nicolas Richter diesen Band über die Radikalisierung junger Muslime, den Souad Mekhennet, Claudia Sautter und Michael Hanfeld verfasst haben. Die anschaulichen Schilderungen von Lebensläufen lobt er als "seriös und sachlich". Deutlich wird für ihn, wie junge Menschen in Europa, Afghanistan und der arabischen Welt unter dem Eindruck radikaler Botschaften militant werden. Auch das Gefühl der Demütigung durch den Westen spielt hierbei seines Erachtens eine wichtige Rolle. Insofern unterstreicht er besonders die Auseinandersetzung der Autoren mit dem durch die dänische Zeitung Jyllands-Posten Ende 2005 ausgelösten Karikaturenstreit sowie die Forderung nach mehr Achtung vor dem, was anderen heilig ist.
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