Michael Brenner erzählt die wechselvolle Geschichte der Juden, die sich über 3000 Jahre und fünf Kontinente erstreckt. Der Holocaust, die Geschichte Israels und das amerikanische Judentum kommen ebenso zur Sprache wie die Anfänge in biblischer Zeit. Neue Einblicke vermitteln auch die zahlreichen Abbildungen, die mehr sind als nur illustrierendes Beiwerk. Die Geschichte der Juden wird heute oft auf Verfolgungen, die tragischen Geschehnisse des Holocaust und die politischen Ereignisse im Nahen Osten verengt. Dieses Buch will den Blick öffnen für ein vielseitigeres und farbigeres Bild, zu dem vor allem auch der fruchtbare Austausch mit anderen Kulturen gehört. Obwohl sie immer eine kleine Minderheit waren, haben die Juden ihre Spuren in zahlreichen Kulturen hinterlassen, die großen Weltreligionen mitgeprägt und eigene Lebenswelten entwickelt. Michael Brenner schildert prägnant und anhand treffender Beispiele die facettenreiche Geschichte einer Nation und einer Religion.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.06.2009
Von Adam und Eva bis zum Ende der Sowjetunion führt Michael Brenner in seiner jüdischen Geschichte, die Alexander Kisslers entgegen ihres Titels als ziemlich umfassend würdigt. "Wanderschaft" und eine emphatische Beziehung zum Text sind bei Brenner die Schlüsselbegriffe des Judentums, und es wird deutlich, dass sich der Münchner Historiker bei der Definition des Judentums nicht festlegt, sondern es zwischen "Nation, Religion und Schicksalsgemeinschaft" ansiedelt, wie der Rezensent zustimmend feststellt. Schade findet er, dass Brenner der zentralen Gestalt Moses nicht mehr Aufmerksamkeit schenkt und auch die Geschichten von Jakob und David übergeht. Denn ein philologischer Blick auf die biblischen Texte hinter der Historie hätte der Wissenschaftlichkeit seines Buches keinen Abbruch getan und dem so etwas drögen Anfangskapitel mehr Farbe verliehen, so Kissler. Sehr positiv dagegen hebt er hervor, dass Brenner die Perspektive international weit spannt, gerade was die antisemitische Verfolgung angeht. Dass sich bei der enzyklopädischen Breite auch einzelne "Nachlässigleiten" finden lassen, stößt bei Kissler auf absolutes Verständnis und er beurteilt das Werk insgesamt als profund, mitunter überraschend und nicht selten "bewegend".
Gute Noten vergibt Rezensent Willi Jasper an diese kleine jüdische Geschichte, die seinem Eindruck zufolge eher eine Kulturgeschichte der Diaspora ist. Besonders das Zusammenspiel von religiöser Tradition und lebensweltlicher Praxis in der Diaspora, die Schlaglichter auf jüdische Identitätskonzepte oder Figuren wie Moses Mendelssohn oder Heinrich Heine beeindrucken den Rezensenten sehr. Auch die Komposition des Buchs, das sich aus einem Mosaik von Migrationsgeschichten zusammensetzt, überzeugt den Rezensenten.
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