Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer. Sie sind ein seltsames Paar - der blasse, spinnenbeinige Zelikman, ein wortkarger fränkischer Jude auf Wanderschaft, sowie Amram, der afrikanisch-jüdische Riese, dessen scharfe Zunge ähnlich verletzen kann wie seine Streitaxt. Brüder im Geiste und Kameraden, so ziehen sie um das Jahr 950 durch die kaukasischen Berge und tun das, wonach ihnen gerade ist. Auftragsdiebstahl, Trickbetrügerei oder sonstige Übeltaten - dem ungleichen Paar scheint nichts fremd. Gleichwohl kommen sie an ihre Grenzen, als sie gezwungen werden, Eskorte und Aufpasser des Prinzen der Chasaren zu werden. Sein Vater, der Bek, wurde von seinem brutalen Bruder vom Thron gestoßen, und der unreife, übellaunige Junge will nur eins: Seinen Vater rächen und den rechtmäßigen Thronfolger auf seinem Platz sehen. Helfen könnte der Kagan, das gottgleiche Oberhaupt, der auf einer Insel der Wolga lebt und nie einen Untertan zu Gesicht bekommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2010
Rezensent Andreas Zielcke hat das Schicksal der zwei jüdischen Söldner in Michael Chabons Abenteuergeschichte "Schurken der Landstraße" mit großer Spannung verfolgt. Ein Äthiopier und ein Franke - beide schlagkräftig, dabei äußerst cool und eloquent, merkt der Rezensent amüsiert an - sind im sagenumwobenen Land der Chasaren unterwegs, zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus, wo sich im frühen Mittelalter durch die Handelswege unterschiedlichste Völker und Sprachen trafen und vermischten. Für Zielcke ist es klar, dass dieses Land, dessen Oberschicht im 8. Jahrhundert geschlossen zum Judentum übertrat und damit eine bemerkenswerte Ausnahme in der jüdischen Diasporageschichte gewesen sei, die Phantasie des ebenfalls jüdischen Autors beflügelt. Chabon wirbt hier aber keinesfalls für ein "machtvolles jüdisches Reich", lässt der Rezensent wissen, er erzähle vielmehr ein kurzweiliges, historisches Abenteuer über einen "Sehnsuchtsort der Imagination", dem multikulturellen Land der Chasaren.
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