Thanatopia
Thriller

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462008722
Gebunden, 384 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Wien, 2095. Eine Leiche in der Donau ist für Kommissar Landauer eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch diesmal sind es gleich zwei, und was schlimmer ist: Die beiden toten Frauen gleichen einander bis aufs letzte Haar. Wieso gibt es die Tote zweimal? Bei seinen Recherchen stößt Landauer auf einen bizarren Hightech-Todeskult: Junge Menschen, die Klone ihrer selbst ermorden, wieder und wieder. Sind diese sogenannten Deather schlichtweg verrückt? Oder hat ihr Wahnsinn Methode? Mit der Zeit verdichten sich die Hinweise, dass die Verstorbenen einem großen Geheimnis auf der Spur waren. Tom Hillenbrands Roman führt von Wien nach London, nach Griechenland und einmal um die Welt. Auf verschiedene Weisen werden darin Menschen überall mit der existenziellsten aller Fragen konfrontiert: der nach dem Tod und dem Leben danach.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2025
Rezensent Kai Spanke muss sich merklich etwas anstrengen, die Welt zu beschreiben, in der der dritte Band von Tom Hillenbrands SciFi-Krimireihe angesiedelt ist, so überschäumend futuristisch sind die Wesen, die sich hier tummeln: Da gibt es zum Beispiel die Quants, die ihr physisches Gehirn durch ein digitales namens Cogit ersetzen, das in einem Qube als digitales Gefäß hochgeladen werden kann. Die sogenannten Deather beschäftigen sich damit, Suizid zu begehen, um von einem "Gefäß" zum nächsten zu hüpfen, um damit einer Art Nirvana immer näher zu kommen, so Spanke. Das führe zu Descartes-Diskursen um die Trennbarkeit von Körper und Geist, nur eben im Jahr 2095 und zur Frage, wie sich der Mord an einem Körpger bewerten lasse, wenn der darin wohnende Geist unbeschadet bleibe. Auch wenn die Sprache Hillenbrands den Kritiker nicht zu überzeugen weiß, macht die spannende, viele Volten schlagende, Handlung das wieder wett, wie er abschließend versichert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.06.2025
Rezensentin Sylvia Staude hat sehr viel Vergügen mit Tom Hillenbrands "teuflischer Fantasie und seinem luziferischen Humor": Er lässt seinen Roman im Wien des Jahres 2095 spielen. Dabei beginnt alles wie ein ganz normaler Krimi, meint Staude, Kommissar Wenzel Landauer untersucht den mysteriösen Fall von zwei völlig identischen Wasserleichen. Die Frauen sind aber "bloße Gefäße" in die sein "Quant sein digitales Gehirn hochgeladen", erklärt Staude. Es sind also gar keine richtigen Morde, die Frage ist nur, resümiert Staude, wo haben die digitalen Gehirne ihren organischen Ursprung? Klingt kompliziert? Ist es auch, gibt die Kritikerin zu, aber Hillenbrand schafft es meisterhaft, die "Logik-Zahnrädchen ineinandergreifen" zu lassen, schwärmt Staude, allerdings ist der Anhang mit den Begriffserklärungen zur dystopischen Technik schon notwendig. Die "irrwitzigen" Dialoge tun ihr Übriges zum Lesevergnügen, freut sich die Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.05.2025
Science-Fiction zu lesen, ist immer eine gewisse Herausforderung, das gilt auch und insbesondere für Tom Hillenbrands "Thanatopia", warnt Rezensent Tobias Gohlis, verspricht allerdings: Wer sich darauf einlässt, wird belohnt! Mit einem extrem spannungsreichen SF-Krimi, der zudem einige der ganz großen Fragen aufwirft. Die dystopische Zukunftswelt, die Hillenbrand hier und in den zwei Vorgänger-Romanen entwirft, ist komplex, lesen wir, mithilfe des beigefügten Lexikons allerdings auch ohne Kenntnis von "Hologrammatica" und "Qube" verständlich. Und die Handlung wäre wohl ziemlich "verwirrend", wäre Hillenbrand nicht der "geniale" Erzähler, der er ist, so Gohlis. Zwei identische Leichen tauchen auf, ein alternder, übergewichtiger Kommissar ermittelt, eine Suizid-Sekte ist im Spiel, und eine KI am Rande der Galaxie will die Menschheit retten, was aber nicht unbedingt heißt: alle ihre Vertreterinnen und Vertreter. Geschickt und so anschaulich wie nur möglich verknüpft Hillenbrand diese verschiedenen Handlungsstränge zu einem maximal unterhaltsamen Plot, der den Rezensenten an die Grenzen seiner Vorstellungskraft führt.