Eine transkulturell und epochenübergreifend arbeitende Medienwissenschaft kann weder das neuzeitliche europäische Kultur- und Geschichtskonzept noch dessen Kommunikationsmodell übernehmen. Die hier übliche radikale Orientierung an technischen Medien, an Menschen als ausschließlichen Kommunikatoren, an Standardschriftsprachen als Leitcode, am Buch als Spiegel der Kultur, am Entweder-Oder-Denken, an Homogenität und Standardisierung als Unterpfand erfolgreicher Kommunikation, Politik und Wissenschaft erweist sich als eine kulturspezifische Voraussetzung, nicht aber als allgemeingültiger Theorierahmen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.05.2007
Zwiespältig findet Rezensent Johann Schloemann diesen Band von Michael Giesecke, der Aufsätze des Autors zur Mediengeschichte versammelt. Mit den Thesen Gieseckes, der in vorliegendem Band an sein Werk "Mythen der Buchkultur" anknüpft und die Einsichten daraus in Modellen und Fallstudien ausarbeitet, kann er einiges anfangen und nennt dann auch eine ganze Reihe, wie etwa die, dass die neuzeitliche Wissensvermittlung und Schriftkultur eine "typographische Monokultur" bedeute, welche die Kommunikation einseitig homogenisiert und standardisiert habe. Diese und andere Thesen laufen für ihn letztlich darauf hinaus, fünfhunderte Jahre Buchkultur medienhistorisch als eine Episode zu beschreiben. Berechtigt scheint ihm das Anliegen des Autors für seine Forschungsrichtung zu werben, und er attestiert ihm, hier in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht zu haben. Um so mehr ärgert er sich über die Art und Weise, wie Giesecke die Buchkultur, trotz seines enormen Wissens, sträflich simplifiziert, nur um eine Oppositionsrolle einnehmen zu können. Hier schießt der Autor nach Ansicht des Rezensenten oft weit über das Ziel hinaus und wirkt auf ihn wenig überzeugend.
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