Zwei-Staaten-Lösung, multipolare Welt, regelbasierte Weltordnung, Flächenbrand, Eskalationsspirale, feministische Außenpolitik, Zeitenwende, Verhandlungslösung: Wer diese Schlagworte hört, ist mittendrin im geopolitischen Diskurs. Aber was verbirgt sich dahinter? Jörg Lau rückt den 80 beliebtesten Formeln auf dem internationalen Parkett zu Leibe und betreibt Sprachkritik. So zeigt er, dass die "Eskalationsspirale" oft nur ein rhetorischer Trick der Aggressoren ist, den Bruch internationalen Rechts zu legitimieren. Und er legt offen, welches antiliberale Narrativ hinter dem Begriff der "multipolaren Welt" steckt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.04.2025
Nur an der Oberfläche ist Jörg Laus Buch ein Wörterbuch der aktuellen Politik, findet Rezensent Robert Probst. Tatsächlich jedoch rechnet der Journalist Lau hier mit der Außenpolitik Deutschlands ab und zwar ziemlich gnadenlos. Floskeln wie "multipolare Weltordnung" oder "Staatsräson" sind Lau zufolge nichts wert, wenn sie nicht durch militärische Stärke gedeckt sind, vielmehr dienen sie nur der Verschleierung der echten Interessen. Mit der "feministischen Außenpolitik" könnte Lau schon mehr anfangen, so Probst, allein, die reale Politik schaut anders aus. Manches mag hier zu kurz gedacht oder auch zu stark pointiert sein, aber insgesamt wird das Buch in den Augen des Rezensenten seinem Anspruch gerecht, die politischen Hohlformeln der Gegenwart zu durchleuchten.
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