Hatte SED-Chef Walter Ulbricht tatsächlich nicht "die Absicht, eine Mauer zu errichten"? Michael Kubina interpretiert deutsche und russische Quellen aus ihrem historischen Kontext heraus und kommt mit diesem neuen Ansatz zu dem Schluss, dass Ulbricht und die SED-Führung die "Republikflucht" zunächst nicht als sonderlich bedrohlich wahrnahmen, sondern in den Flüchtlingen vor allem "Klassenfeinde" sahen, auf die verzichtet werden konnte. Von der perspektivischen Überlegenheit des Sozialismus waren sie ohnehin fest überzeugt. Erst als die Abwanderung ein bedrohliches Ausmaß annahm, entschied Chruschtschow, das Fluchtproblem durch die Schließung der Sektorengrenze in Berlin zu lösen. In zweifacher Hinsicht war Ulbricht gescheitert: Das für 1961 angekündigte "Überholen" Westdeutschlands war nichts als Illusion, und West-Berlin wurde als "Pfahl im Fleisch der DDR" konserviert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.01.2014
Einen Popanz errichtet und bekämpft der Historiker Michael Kubina laut Ulrich Mählert auf über 500 Seiten. Dass der Autor damit keinen großen Wurf landet, steht für den Rezensenten fest. Zu detailverliebt geht der Autor gegen die These an, Ulbricht habe seit den frühen 50ern auf den Mauerbau hingearbeitet, und bietet eine nach Mählerts Meinung sperrig strukturierte Kampfansage gegen Mauerbauspezialisten, wie Stefan Creuzberger und Gerhard Wettig, die er allerdings fleißig rezipiert, wie der Rezensent den Fußnoten entnimmt. Die Einsicht, die dabei herausspringt, ist für Mählert nicht neu. Spezialisten immerhin empfiehlt er den Band als Quelle für historische Details und entlegene Literatur.
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