Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Jürgen Schneider. "Ich lebe für die Momente, wenn die Sprache selbst die Geschäfte übernimmt und eine Einsicht das Wissen überholt." Michael Longley, der große Dichter aus Irland, ist berühmt für die ruhige Schönheit seiner reflektierten Verse und seine eigensinnigen Beobachtungen der Natur. Neben den von ganzen irischen Landstrichen durchwirkten Versen, in denen "Gottheil", "Teufelshütchen" und "Zittergras" wachsen und "Dreizehenmöwen über Wellen schrappen", stehen die Gedichte, in denen Longley mittels klassischer Referenzen politische Ereignisse wie die Unruhen in Nordirland in den Fokus rückt. "Gefrorener Regen" versammelt erstmals auf Deutsch eine Auswahl aus seinem umfangreichen Werk.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2018
Unter den internationalen Lyrikern, deren Gedichte ins Deutsche übersetzt wurden, sind die Iren nicht gerade unterrepräsentiert und trotzdem hat einer der ganz Großen bisher gefehlt, erklärt Rezensent Jürgen Brocan. In Michael Longleys Gedichten lassen sich drei Leitmotive ausmachen, fasst Brocan zusammen: Natur, Gewalt und Antike - weite Begriffe, große Themen, die er jedoch konzentriert und mit schlichten, treffenden Worten umkreist, verbindet und immer wieder auch "ins Herz trifft". Sein Blick scheint distanziert, seine Sprache kühl, was ihm erlaubt ganz genau hinzuschauen, ohne eine Gefahr der Rührseligkeit oder Betroffenheit, sodass dem Leser augenblicklich und "unmittelbar" die klarsten Bilder erscheinen - "skalpellscharf und zärtlich schmeichelnd", schließt der hingerissene Rezensent.
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