Aus dem Englischen von Andreas Jandl und Frank Sievers. Robert Macfarlane folgt den alten Wegen - jenen Pfaden, Hohlstraßen, Fuhrten, Feld- und Seewegen, die seit der Antike die menschlichen Siedlungsräume miteinander verbinden und noch immer als unsichtbare Wegweiser unsere Bewegungen bestimmen. Seine Reise führt den wichtigsten Naturschriftsteller Großbritanniens von den englischen Kreidefelsen zu den einsamen Vogelinseln Schottlands, von den Kulturlandschaften Spaniens zu den Pilgerrouten Palästinas und bis in den Himalaya. Sie lässt ihn in fünftausend Jahre alte Fußstapfen treten und in einem kleinen Segelboot auf den nächtlichen Atlantik hinaustreiben. Er lauscht den Geschichten, die diese alten Wege noch immer erzählen, und den Stimmen derjenigen, die er auf seinen Fußmärschen begegnet: andere Wanderer, Spaziergänger und Sinnsucher, sogar tibetanische Mönche. Diese alten Pfade, begreift er bald, sind mehr als Möglichkeiten, einen Raum zu durchmessen. Nach ihrer jahrhundertelanger Begehung sind sie vielmehr auch Knotenpunkte unseres Denkens, Netzwerke unseres Wissens und ein geographisches Gewebe unserer Gefühle geworden.
Katharina Granzin packt die Wanderlust mit Robert Mcfarlanes im englischen Original 2012 erschienenem, laut Granzin sehr gut übersetztem Buch. Den Autor kennt sie als einen der renommiertesten Vertreter des nature writing. Und wenn Mcfarlane loszieht, um mit allerhand Literatur im Gepäck Touren durch Großbritanniens Torfmoore, über die Hebriden oder in Himalaya-Klöster zu unternehmen, kann Granzin eine Menge lernen. Etwa über den wechselseitigen Einfluss zwischen Landschaft und Mensch oder das Leben und Wandern des Lyrikers Edward Thomas. Dass der Autor bei seinen Wanderungen ausgiebig recherchiert, poetisch genau beschreibt und immer das Ganze im Blick hat, gefällt Granzin gut.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.06.2016
Rezensent Hans-Peter Kunisch lässt sich gerne von dem Rhythmus tragen, in dem Robert Macfarlane in "Alte Wege", dem dritten Teil einer lockeren Trilogie, von seinen Wanderungen in Großbritannien und Irland erzählt. Macfarlane ist einer der Autoren des wiederentdeckten "Nature Writing", so Kunisch, eine Bezeichnung, die der Schriftsteller selbst ablehnt, da sie zu sehr nach Verkaufsstrategie klingt. Er schreibe von "Natur- und Menschheitserfahrung", sage der Autor über sich selbst, sein Ziel: die Wiederentdeckung der Wildnis. Von verschwindenden Wegen im Watt, von bleibenden Wegen im Stein, von Fährten und Spuren schreibt Macfarlane und das so eindrucksvoll, so harmonisch und feinfühlig, dass Kunisch nicht anders kann, als hingerissen zu sein.
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