Der langjährige Außenpolitiker Michael Roth schreibt in radikaler Offenheit von den "Zonen der Angst" der Berufspolitik. Vom innerparteilichen Machtkampf. Den sozialen Medien und dem drohenden Shitstorm. Dem Pranger, weil man die Rituale und die Sprache der eigenen Bubble, Partei oder Peergroup infrage stellt. Dem falschen politischen Spiel mit gesellschaftlichen Ängsten. Darunter hat der Mensch Michael Roth immer stärker gelitten und seine psychische Erkrankung erst spät erkannt. Mit seinem Buch möchte er anderen Mut machen, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Dabei schont er weder seine politischen Weggefährten noch sich selbst. Fast sein halbes Leben lang war Michael Roth Berufspolitiker, zuletzt als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Ein leidenschaftlicher Unterstützer der Ukraine, der seine Haltung gegenüber Russland früh überdacht hat und auch deshalb nicht nur in seiner eigenen Partei in der Kritik stand. Roth wuchs in schwierigen Verhältnissen im nordhessischen "Zonenrandgebiet" auf. Mit 28 zog er in den Bundestag ein. Er erlebte die erste rot-grüne Koalition im Bund, die Jahre der Großen Koalition und schließlich das jäh gescheiterte Experiment der Ampel. Nach fast 27 Jahren als direkt gewählter Abgeordneter und einer psychischen Erkrankung entschied er, seine politische Karriere zu beenden. Nun legt er eine sehr persönliche Geschichte über sein Leben in der Politik und mit der Angst vor.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.09.2025
Ein starkes, ungewöhnliches Politikerbuch liest Rezensent Georg Ismar. Geschrieben hat es der ehemalige Bundestagsabgeordnete Michael Roth, der offenherzig von seinen psychischen Problemen und seiner Erschöpfung berichtet. Dabei spielte er das Spiel lange mit, und zwar ziemlich erfolgreich, erläutert Ismar entlang der Lektüre, er hat gute Wahlergebnisse, kann sogar auf Ministerämter hoffen, die er dann freilich doch nicht bekommt. Was, mutmaßt Ismar, nachdem er das Buch gelesen hat, auch mit Roths unangepassten Haltungen in vielen Fragen zu tun haben könnte, vor allem, was die Kritik des Politikers an der russlandfreundlichen Haltung vieler SPD-Kollegen angeht. Besonders auf die Palme bringe Roth der Vorwurf, seine Unterstützung der Ukraine habe zu viel mit Emotionen zu tun - dass er bei aller Empathie doch auch klar denken kann, ist ihm wichtig. Jedenfalls hat Roth nun, lernt der Rezensent, nachdem er nach einer ersten Auszeit im Jahr 2022 noch einmal in die Politik zurückgekehrt war, mit dem Betrieb abgeschlossen und harrt neugierig der anderen Dinge, die da kommen werden. Ismar scheint ziemlich beeindruckt zu sein von dieser Haltung.
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