Welche Veränderungen vollzogen sich für die Brandenburgerinnen und Brandenburger nach dem Ende der SED-Herrschaft und der Einführung von parlamentarischer Demokratie und sozialer Marktwirtschaft? Mit welchen Herausforderungen und Problemlagen hatten es Politik und Gesellschaft ab 1990 zu tun, und wie wurde öffentlich darüber diskutiert? Gab es Strukturen und Diktaturerfahrungen aus DDR-Zeiten, die nachwirkten und den Umgang mit der Vergangenheit mitprägten? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich vierzehn Beiträge in diesem Band auseinander. Das Spektrum der Themen reicht vom Wandel politischer Kultur und sozialer Ungleichheiten in der Bevölkerung, Rechtsextremismus und Rechtsruck über Umstrukturierungen der Medien-, Hochschul- sowie Sportlandschaft bis hin zum Wirken der Treuhand. Diskutiert wird auch, was sich in Museen und Gedenkstätten veränderte und wie Ausstellungen die Transformation darstellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2024
Rezensent Ole Kaiser ist gemischter Meinung über den von Peter Ulrich Weiß, Irmgard Zündorf und Florentine Schmidtmann herausgegebenen Sammelband über Wendeerfahrungen in der DDR und besonders in Brandenburg. Einerseits beglücken ihn die Autoren mit einer Vielzahl von interessanten wie detailreichen Einblicken in Veränderungsprozesse und Konflikte in Ostdeutschland während und nach 1989 und er erfährt viel über die Arbeit der Treuhand, das Wirken von Kirche, Sport und Jugendkultur im Zuge der "friedlichen Revolution". Andererseits vermisst er ein die einzelnen Beiträge verbindendes Element bzw. ein übergeordnetes Konzept oder eine Schwerpunktsetzung sowie einen "theoretischen Überbau". Auch ein Fazit bietet der Band nicht an, bemängelt Kaiser. Dass der Leser mit Zahlen und Prozentangaben mitunter "erschlagen" wird, erscheint ihm der Lektürefreude wenig förderlich. Lesenswert findet er vor allem die Abschnitte über das als Folge der Wende entstandene "Vakuum der Ordnungs- und Sicherheitspolitik" im Osten Deutschlands.
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