Vor 50 Jahren begehrten die 68er überall gegen die Autoritäten auf und verlangten mehr individuelle Freiheit. Die Mythen, die aus ihrer Rebellion entstanden, sind noch heute vielfach ungebrochen. Wolfgang Kraushaar problematisiert die vorherrschenden Deutungsmuster der 68er-Bewegung und betont zugleich, dass unsere Zivilgesellschaft kaum ohne ihre Impulse vorstellbar wäre.
Auch nach einem halben Jahrhundert gibt es noch immer viele offene Fragen, die einer klaren Deutung der 68er-Bewegung entgegenstehen. Unter ihnen stechen einige besonders hervor: Welche Rolle spielten Pop- und Rockmusik als Multiplikatoren des Protests? Welchen Stellenwert besaßen neue Aktionsformen wie Happenings, Sit-Ins sowie Teach- Ins? Und welche Bedeutung kamen Militanz und Gewalt zu, die einerseits die Ziele der Protestierenden zu beschädigen drohten, andererseits aber auch zur Publicity ihrer Forderungen nicht unerheblich beigetragen haben?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2018
Gewohnt skeptisch blicke Wolfgang Kraushaar in seinem Essayband auf die Achtundsechziger, bemerkt Rezensentin Isabell Trommer. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen ihrer Darstellung zufolge die Pathologien der Bewegung, der Antisemitismus und die Radikalisierung. Positiv rechnet Trommer dem Band an, die historische Hintergrund und politische Denkbewegungen der Revolte gründlich herauszuarbeiten. Gegenüber seiner Deutung, dass 1968 eine romantische Revolte und eigentlich auch gescheitert sei, bleibt sie skeptisch. Erstaunlich findet sie allerdings die immense Bedeutung, die Kraushaar 1968 beimisst, und schließlich bedauert sie, dass mit Kraushaar "ein Chronist, kein Historiker" schreibe.
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