Friedrich Gundolf hat als Sammler in Heidelberg eine der bemerkenswertesten Humanistenbibliotheken des 20. Jahrhunderts zusammengetragen, die in den Wirren der Emigration bis auf wenige Reste verloren gegangen ist. Im Zentrum dieser Bibliothek stand eine Sammlung zum Nachleben Julius Caesars, mit deren Rekonstruktion hier ein unbekanntes Kapitel der Geschichte der Antikenrezeption im 20. Jahrhundert geschrieben wird.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.10.2003
Die Bibliothek Friedrich Gundolfs, des großen Bücher-Sammlers aus dem George-Kreis, existiert längst nicht mehr. Bald nach seinem Tod 1931 wurde sie in alle Winde zerstreut. Die Rekonstruktion ist folglich ein mühsames Geschäft, Michael Thimann hat es auf sich genommen. Er hat Briefe und Notizen, die Schlüsse auf Exemplare der Bibliothek zulassen, studiert und kann nun nicht weniger als 70 Druckseiten mit Titeln am Ende des Bandes vorlegen. Es geht ihm mit seiner Studie allerdings, betont der Rezensent Ernst-Peter Wieckenberg, um weit mehr als die bloße Auflistung, nämlich um die Rekonstruktion des "intellektuellen Profils" Gundolfs, um das Verhältnis von Bibliothek und literarisch-biografischem Werk. Das Grundproblem, das er sieht, besteht in der Spannung zwischen dem Wunsch nach Kanonisierung - insbesondere Caesars, dem er drei Bücher widmete - und dem Nebeneinander von Größe und Tratsch in den in der Bibliothek befindlichen Werken. Der Rezensent lobt die Studie als aufschlussreich für die Gundolf-Forschung, jedoch biete sie darüber hinaus auch zum Thema Privatbibliotheken und Sammeln "kluge Einsichten".
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