Stefan George war einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Symbolismus und Zentrum eines Kreises von Freunden und Jüngern, der sich spätestens ab 1910 als geistige Elite verstand. Das von George selbst stilisierte Bild eines ganz im Zeichen einer dichterischen Mission stehenden Lebens wird durch die Analyse von menschlichen Beziehungen vielfältiger Art relativiert, von der tiefen Verwurzelung in seiner Binger Familie über enge Freundschaften, wie etwa zu Albert Verwey und Friedrich Gundolf, bis hin zu den bemerkenswert entspannten Aufenthalten mit Clotilde Schlayer in Minusio (Tessin), wo er mit 65 Jahren starb.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2014
Lorenz Jäger hält viel auf Kai Kauffmanns kleine Biografie über Stefan George, über den so viel geschrieben wird, wie Jäger weiß. Dass Kauffmann das auch weiß und benennt und dennoch über ein "nur" verlässliches Handbuch hinausgelangt, ist für Jäger das Erstaunliche. Den Grund dafür findet er in Kauffmanns Versuch, Dichtung und Leben bei George im Hinblick auf eine spezifische Frage aufeinander zu beziehen, der Frage nach der Sublimation. So entdeckt Kauffmann und der Rezensent mit ihm, dass der Dichter in seinen Texten nicht nur bildungsbeflissen spielt, sondern recht konkret mit realen Personen kommuniziert. Auch bezogen auf die Kreis-Ideologie hat dieser Ansatz laut Jäger etwas für sich und führt laut Rezensent zu Erkenntnissen jenseits von Proto-Nazi-Verdacht und steilen Knabenliebe-Hypothesen.
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