Mieke Roscher (Hg.), Jessica Ullrich (Hg.)

Tiere und Geschlecht

Tierstudien 24
Cover: Tiere und Geschlecht
Neofelis, Berlin 2023
ISBN 9783958084247
Kartoniert, 198 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

In diesem Band von Tierstudien geht es um die verschiedenen Ebenen der vergeschlechtlichten Beziehung von Menschen zu anderen Tieren, aber auch anderer Tiere untereinander. Die Autor*innen untersuchen, inwieweit sich Konzepte der Gender-Theorie eignen, um die Performativität von Geschlecht in tierlichen und tierbezogenen Praktiken, die diese als männliche und weibliche Aktivitäten darstellen, herauszuarbeiten. Ein Aspekt, der befragt wird, ist, inwiefern Tiere nicht nur ein Geschlecht, sondern auch gender haben, das in diesen Praktiken ebenfalls hergestellt wird.Geschlecht im Sinne von sex bestimmt häufig darüber, welchen Tieren Menschen erlauben, sich fortzupflanzen. Das ganze Feld der Tierzucht basiert auf der vergeschlechtlichten Zuchtwahl: Haustiere werden kastriert oder sterilisiert, mit Hormonvergabe wird die Fortpflanzungsfähigkeit von Nutztieren gefördert, Verhütungsmittel werden in Taubenfutter gemischt und männliche Küken geschreddert.Gender hingegen bestimmt den sozialen Ort von Gruppen und Individuen - und dazu gehören auch Tiere. Zwar handelt es sich nicht selten um Projektionen menschlicher Vorstellungen auf die Tierwelt, doch nimmt man kulturelle Ko-Produktion und Ko-Evolution ernst, muss angenommen werden, dass diese Projektionen zu Praktiken geführt haben, die sich in die Körper und die Kultur der Tiere eingeschrieben haben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.02.2024

Der von Jessica Ullrich und Mieke Roscher herausgegebene Band über das Verhältnis von Tieren und Geschlecht beinhaltet vielfältige Texte zum Thema, so Rezensentin Katharina Granzin. In den meisten gehe es dabei darum, dass Menschen Tiere anhand ihrer "Genderzuschreibungen" einordnen, lesen wir. Außerdem erfährt die Kritikerin vom "Säugetier-Vorurteil": In der Natur seien Weibchen oftmals größer als Männchen, zum Beispiel in der Falknerei, nur eben bei Säugetieren nicht, staunt Granzin. Am interessantesten seien historische Beiträge, zum Beispiel über Frauen, die durch gemeinsame Porträts mit Hunden ihre Unabhängigkeit unterstrichen. Leider sei ein Mindestmaß an "zumutbarer Lesbarkeit", also stilistischer Qualität, nicht bei allen Texten vorhanden, moniert die Kritikerin. Aber der Großteil der Texte bietet einen spannenden Einblick in das Verhältnis Tier-Geschlecht-Mensch, schließt Granzin.

Themengebiete


Beliebte Bücher

Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…