Aus dem Französischen von Kirsten Gleinig. Eine stumme Bettlerin findet ein Neugeborenes auf den Stufen einer Kirche: Schlechte Chancen für das Findelkind Antonio. Doch er kämpft sich hoch, wird zum berühmtesten Chirurgen Venezuelas und erobert die Frau seines Herzens, auch sie eine herausragende, unbezwingbare Persönlichkeit. Seiner Tochter gibt er den Namen seiner Nation - Venezuela -, doch diese sehnt sich nach Paris - nur um zu lernen, dass man die Heimat nie wirklich hinter sich lassen kann...
Ein "gewaltiges Panorama" der Geschichte Venezuelas und dazu eine "berührende Familiensaga", entfaltet der französische Autor Miguel Bonnefoy für den Rezensenten Dirk Fuhrig. Die Geschichte setzt ein, als im Jahr 1914 in Venezuela Petroleum entdeckt wird und "die schwarze Sintflut" über das Land hereinbricht. Mit Antonio, der vom unscheinbaren Jungen zum berühmten Arzt aufsteigen wird, beginnt die sich über drei Generationen erstreckende Familiengeschichte, die Bonnefoy entlang der von Diktaturen und wirtschaftlichen Not geprägten Geschichte Venezuelas erzählt. Denn auf den Öl-Boom folgte ein autoritäres Regime nach dem anderen, erinnert Fuhrig. "Geschickt" findet er es, wie der Autor das "vordergründig Politische" umgeht, zum Beispiel die beiden Namen der Staatspräsidenten Chavez und Maduro nicht nennt, und stattdessen anhand der emotionalen Motive seiner Figuren erzählt. "Sinnlich" und eindrücklich findet der Kritiker das, gleichzeitig lassen märchenhafte Elemente an die Literatur des "Magischen Realismus" denken - ein "großer" Roman, versichert Fuhrig.
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