Miku Sophie Kühmel

Hannah

Roman
Cover: Hannah
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103974928
Gebunden, 304 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Es sind die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Til auf Hannah trifft und Hannah auf Til. Eine gemeinsame Dekade beginnt. Erst in Den Haag, dann in Berlin verbringen die Künstlerin und die Autorin die letzten großen Partys und Momente zärtlicher Zweisamkeit. Doch von Sommer zu Sommer entpuppt sich das gemeinsame Leben und Schaffen zunehmend als Herausforderung, unter Druck gesetzt von der politischen Bedrohung durch den Nationalsozialismus. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2025

Über Miku Sophie Kühmels dritten Roman gerät Rezensent Stefan Trinks ins Schwärmen und traut ihm zu, Kunstgeschichtsschreibung tatsächlich zu korrigieren. Mit großer Lakonie und poetischer Präzision hole Kühmel Hannah Höch aus der Rolle der bloßen "Frau von Hausmann" zurück und schreibe ihr nicht nur die zentrale Bedeutung für Dada, sondern auch die Erfindung der Fotocollage zu. Vor allem aber mache das Buch sichtbar, was lange ausgeblendet wurde: die fast zehnjährige Liebes- und Arbeitsgemeinschaft mit Til Brugman, aus der entscheidende Werke hervorgingen. Der Kritiker hebt die Form als sorgfältig recherchierte "künstlerische Tatsachengeschichte" hervor, die das Private, Politische und Ästhetische der Zwischenkriegszeit eng verschränkt. Die sinnliche, bildreiche Sprache mit Metaphern wie dem "wackelnden Fahrrad auf wurzeldurchgriffenen Waldwegen" und der Mut zu Assoziationen begeistern ihn ebenso wie der emphatische Blick auf Kunst unter dem Druck der NS-Zeit. Für den Kritiker ist das Buch ebenso luzide wie überwältigend und ein großes literarisches Geschenk an Hannah Höch. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.08.2025

Schlichtweg als "Geschenk" wertet Rezensentin Laura Weißmüller den dritten Roman von Miku Sophie Kühmel. Warum? Weil die Autorin gleich in mehrfacher Hinsicht Wagemut beweist. Zum einen staunt die Kritikerin, wie es Kühmel gelingt, die Liebesgeschichte zwischen der Dadaistin Hannah Höch und der niederländischen Schriftstellerin Til Brugmann  zwischen den Weltkriegen so "federleicht hingetupft" zu erzählen, ohne dabei das sich anbahnende Grauen auszublenden. Vor allem aber bewundert Weißmüller, wie die Autorin den eigenen Erzählton mit Originalzitaten der beiden Heldinnen verknüpft und ein lebens-, bild- und farbpralles Netz schafft. Mehr noch: Geradezu virtuos erscheint der Kritikerin Kühmels Kunst, Höchs Collagetechnik mittels Typographie, Fettungen oder Gedicht-Einschüben in Text zu übersetzen. Der tiefen Liebe und Verbundenheit der beiden Künstlerinnen folgt die Rezensentin begeistert - und Sätze wie "Tils Liste von Themen, über die es sich mit den Deutschen noch reden lässt: * das Wetter" vergisst sie so schnell nicht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 01.08.2025

Rezensent Nico Bleutge liest mit "Hannah" einen gewitzten und zu großen Teilen anregenden historischen Liebesroman, der die Grenzen seines Genres kunstvoll verwischt, ebenso wie seine Protagonistinnen mit ihrer Kunst "Grenzen auswischen" wollten. Diese Protagonistinnen, die Künstlerin Hannah Höch und die Autorin Til Brugman, lernen sich 1926 auf einer Vernissage kennen, verlieben sich, ziehen gemeinsam in Tils Wohnung in Den Haag und versuchen ihrem hohen Ideal einer exemplarischen "reichen und ausbalancierten" lesbischen Liebe zu entsprechen. Doch beruflicher Neid, die politischen Entwicklungen, so wie das gesellschaftliche Klima der Zeit belasten ihre Beziehung von Beginn an. Dass Kühmel mit ihrer Geschichte historische Parallelen aufzeigen will zwischen der Gesellschaft der Weimarer Republik und der Gegenwart, ist offensichtlich und nicht originell, muss es aber auch nicht sein. Dass sie diese Parallelen im Schlusskapitel thesenhaft noch einmal extra deutlich hervorhebt, ist eine Schwäche, findet Bleutge. Eine Schwäche, die jedoch ausgeglichen wird durch Kühmels starke, bilderreiche Sprache, so Bleutge, ihre leise Ironie, sowie das kunstvolle Arrangement, in dem die Autorin Fakten und Zitate aus Büchern, Katalogen, Briefen und Notizen collagiert und koloriert mit eigenen Fiktionen, ganz wie ihr Vorbild Hannah Höch.

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