Aus dem Serbischen von Mirjana und Klaus Wittmann. Milena Marković gehört zu jenen Autorinnen, deren Schreiben sowohl sehr direkt und fast schmerzhaft aufrichtig sein kann als auch einfühlsam lyrisch. Dies gilt insbesondere auch für "Kinder", ihren autobiografisch geprägten Roman über Kindheit, Familie und Erwachsenwerden in Gestalt eines Langgedichts. Darin schlägt sie einen großen Bogen von ersten Kindheitserinnerungen aus den frühen 80er Jahren bis in die Gegenwart - dem Zusammenleben mit dem mental zurückgebliebenen Sohn und der dement gewordenen Mutter in Belgrad - und versammelt, was ihr aus ihrem Leben wichtig ist, jene Momente und Erfahrungen, die sie geprägt haben: Kindheitstraumata, Badefreuden am Meer, Drogen und die Leidenschaft für schöne Männer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2026
Dieser Roman von Milena Markovic, eine der bekanntesten Dramatikerinnen Serbiens, wurde von der serbischen Zeitschrift NIN zum besten Roman des Jahres 2021 gewählt und Rezensent Luca Vazgec kann dank der nun vorliegenden deutschen Übersetzung zunächst durchaus nachvollziehen weshalb: Da ist zum einen die Geschichte um die mit autobiografischen Zügen der Autorin ausgestattete Heldin Milena, die in der Belgrader Boheme Trost sucht: Gewalt, auch sexuelle, hat sie seit frühester Kindheit in Familie und Schule erlebt, ausgestoßen wurde sie schließlich nach der Geburt eines behinderten Sohnes: Milena ist auf der "Suche nach einem Platz in einer Welt voller Nichtorte", wie es der Kritiker sehr schön ausdrückt. Das gnadenlos Trostlose des haltlosen Treibens durch die Großstadt, vermag die Autorin durchaus einzufangen, auch der avantgardistischen Form des Romans, der eher wie ein Langgedicht scheint, kann sich Vazgec erstmal nicht entziehen: Die Verse oder der Verzicht auf Satzzeichen ziehen den Kritiker in den Bann, wenngleich die Protagonistin ihm mit ihrer "vulgären Ehrlichkeit" so unangenehm wie eine Jelinek-Figur erscheint. Das ist allerdings nicht das Problem, das der Kritiker in der Summe mit diesem Roman hat: Zu penetrant, auch "egozentrisch" erscheint ihm dieses Klagelied einer Ausgestoßenen, als dass er der Autorin die bemühte Authentizität abnehmen möchte. Ein paar "Momente leiser Idylle" mehr hätten dem Roman gut getan, findet er.
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