Franziskas Mutter liegt im Sterben. Es ist ein langsamer Prozess, der sich über die erste Verstörung, das erste Vergessen, den ersten Realitätsverlust vollzieht. Momente, die Franziska irritieren, da sie das Bild ihrer Mutter, einer von Disziplin und Kontrolle geleiteten japanischen Emigrantin, vollends zu verwischen drohen. Durch die Umkehrung der Rollen und ihre plötzliche Hilfsbedürftigkeit erscheint Franziskas Mutter als eine Unbekannte, eine Fremde. Vor den Augen ihrer Tochter verwandelt sie sich zurück in jene junge Frau, die sie einmal war - mit Sehnsüchten, Hoffnungen und Leidenschaften.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2010
Zwiespältige Gefühle hinterließ dieses Buch bei Karl-Markus Gauß, der sich einerseits beim Lesen immer wieder von viel zu vielen "betulichen und altklugen Passagen" gequält fühlte, und doch am Ende die Lektüre mit dem sicheren Gefühl beschlossen hat, "gerade etwas ungewöhnlich Schönes" gelesen zu haben. Trotzdem bleibt für ihn und uns unklar, ob die dreißigjährige Autorin "so fein und aufmerksam" sie auch zu beobachten, "so poetisch und überraschend" sie zu formulieren wisse, nicht am Ende doch nur ein Fall von "schöner Naivität" oder "intellektueller Schlichtheit" sei. Es geht, wie man liest, um die japanische Mutter der in Österreich aufgewachsenen Protagonistin, ihr Verdämmern in der Alzheimererkrankung. Nach deren Tod begebe sich die Erzählerin dann auf die universelle Muttersuche, die sie bis in einen indischen Ashram führt. Immer wieder äußert der Kritiker Unbill über Handlungselemente oder Figuren, findet am Ende aber doch, dass er es mit einer eigenwilligen literarischen Stimme zu tun hat.
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