Was macht ein berühmter Krieger in Friedenszeiten? Samurai Seki Keijiro hat sich aufs Land zurückgezogen und langweilt sich kolossal im Kreise seiner Familie. Doch als er hört, dass vor Nagasaki ein Schiff der Niederländischen Ostindien- Kompanie erwartet wird, erwacht er zu neuem Leben. Denn da war noch etwas: eine ungeklärte Episode seines Kriegerlebens. Seki heuert als Inspektor der Handelsniederlassung an und bekommt es mit dem jungen Niederländer Abel van Rheenen zu tun, der auf dem Schiff als "Dolmetsch" reist, zu viel redet und darüber hinaus die japanische Seele erkunden will.
Christian Metz ahnt es, weil "alle Elemente" dieser Novelle "an ihrem Platz" sind und es dennoch nicht langweilig wird: Christine Wunnickes Text über die nicht zuletzt kommunikative Annäherung zweier sehr unterschiedlicher Figuren im Japan des 17. Jahrhunderts ist ein Meisterwerk. Wie ehemaliger Krieger und ein junger niederländischer Dolmetscher vor dem Hintergrund der japanisch-niederländischen Handelsbeziehungen miteinander auszukommen versuchen, hält Metz für aufregenden Lesestoff. Zumal Wunnicke die sprachlichen Hürden der beiden mit erzählerischem Vergnügen ausbuchstabiert, wie Metz erklärt. Interkulturelles Wissen, Sprachslapstick und erzählerisches Vermögen kommen in diesem Roman aufs Glücklichste zusammen, meint Metz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.03.2020
Rezensentin Judith von Sternburg scheint hingerissen von Christine Wunnickes schmalem Roman. Die Autorin erzählt hier von einem jungen Niederländer, genannt Babbel, der als Teil der Ostindien-Kompanie nach Japan kommt und sich dem kundigen Samurai Seki Keijiro anschließt. Das sei zwar einerseits eine unterhaltsame Culture Clash-Geschichte, meint die Rezensentin, aber auch ernst, zumal sich ein geplagter Geist zu den beiden Männern gesellt, staunt die Kritikerin, die dem Roman zudem eine ungeheure Spannung attestiert. Sie lobt die "raffinierten und gleitenden" Perspektivwechsel, die eine erhöhte Aufmerksamkeit vom Leser forden, sowie Wunnickes Sinn für "Poesie und schlanken Witz". Von Sternburg sieht dieses Buch als Beweis dafür, dass die Longlists für den Deutschen Buchpreis doch auch noch horizonterweiternd sein könnten, meint sie.
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