Das 19. Jahrhundert nimmt in der Genealogie Berlins eine Sonderstellung ein: Preußens Gloria und die Industrialisierung, getragen von Großunternehmen wie Borsig, Siemens oder der AEG, lassen die Einwohnerzahlen sprunghaft ansteigen, was immer neue Eingemeindungen und oft brachiale städtebauliche Veränderungen nach sich zieht. Die rasante Entwicklung Berlins von der königlichen Residenzstadt, der Schinkel das architektonisch elegante Gepräge verlieh, zur Industriemetropole mit Elendsquartieren und Arbeiterrevolten und schließlich zur Hauptstadt des Kaiserreichs mit ihren Prunkbauten der sogenannten Gründerjahre wurde von einer weiteren Errungenschaft des 19. Jahrhunderts, der Fotografie, ausführlich beobachtet und dokumentiert. Unser Band versammelt die besten Aufnahmen der Bildchronisten dieser Epoche, neben Berufsfotografen wie Joachim Titzenthaler, F. A. Schwartz oder Hermann Rückwardt auch viele anonyme Amateurfotografen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.02.2016
Schön, dass es dank der umfassenden Recherche der amerikanischen Historikerin Miriam Paeslack nun ein Update des 1984 von Janos Frecot und Helmut Geisert herausgegebenen Bandes mit frühen Berlin-Fotografien gibt, findet Rezensent Lothar Müller. Denn dieses prächtige Band überzeugt nicht nur durch seine Erweiterung, sondern vor allem durch Paeslacks Verschiebung der Perspektive, fährt der Kritiker fort, der beim Betrachten der Bilder des Wilhelminischen Berlins feststellt, inwieweit Berlin bereits damals eine Baustelle war. Der Abriss des Schinkel-Doms und der Bebauung der Schlossfreiheit ist hier wunderbar dokumentiert, informiert Müller, der hier auch erfährt, wie groß das Unbehagen am neuen Berlin gewesen ist.
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