Herausgegeben von Florian Stoll und Thomas Leithäuser. Aus dem Portugiesischen von Mechthild Blumenberg. Mirian Goldenberg, Anthropologin, Buchautorin und Kolumnistin aus Rio de Janeiro, ist Fachfrau für Beziehung und Untreue, Geschlechtlichkeit und Sexualität. Sie nimmt den Leser mit auf die Suche nach Erklärungen für das Phänomen der Untreue: Sie lässt uns teilhaben an ihrem Alltag als Frau und Forscherin, ihren Erfahrungen bei Vorträgen zum Thema, konfrontiert uns mit der Lebensbeichte der Journalistin Mônica zwischen Leidenschaft und Unabhängigkeit und zeigt uns mit Simone de Beauvoir, dass gewählte Freiheit nur schwer zu ertragen sein kann. Sie gibt uns sehr persönliche Einblicke in verschiedenste Perspektiven und Erfahrungen und zeichnet durch ein Patchwork an Erzählsträngen ein vielschichtiges Bild von Treue und Untreue. Es wird deutlich, dass Untreue eben kein individuelles Versagen ist oder einer triebgesteuerten Männerwelt zugeschrieben werden kann, sondern ein gesellschaftliches, äußerst komplexes und paradoxes Phänomen darstellt. Denn warum ist Untreue trotz der sichtbaren Veränderungen im Sexualverhalten nach wie vor ein Problem? Offenbar ist die "seltene Perle der Treue" nicht nur für traditionelle, sondern gerade auch für heutige moderne und aufgeklärte Liebesbeziehungen ein grundlegender Wert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2014
Oliver Pfohlmann bespricht eine Auswahl von ins Deutsche übersetzten kürzeren Texten der brasilianischen Sozialanthropologin Mirian Goldenberg und staunt, was die Autorin in ihren Feldforschungen zum Thema Untreue aus dem Dschungel des brasilianischen Machismo zutage fördert. So ergeben die Interviews der Autorin mit über 1000 Befragten der urbanen Mittelschicht etwa, dass die Vorstellung von "Treue" innerhalb von Affären nicht haltbar ist. Zwar taugt das Buch laut Pfohlmann als Einführung in die Arbeit Goldenbergs, es irritiert den Rezensenten jedoch mit inhaltlichen Wiederholungen.
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