Jetzt hütet Noa also Schafe. Um ihren Angstattacken in der Großstadt zu entfliehen und aus Sehnsucht nach dem einfachen Leben,ist sie als freiwillige Helferin auf einen Hof nach Südfrankreich gekommen. Hier leben Ella, Gregor und ihre elfjährige Tochter Jade von ihrer Herde und dem, was sie auf den Äckern anbauen. Doch das wird immer beschwerlicher, die Sommer werden heißer. Auch Noa bemerkt die Risse im Boden und wie wenig Wasser der Fluss führt. Das Landleben zeigt sich nicht weniger aufreibend als Noas früheres Leben. Und in der Abgeschiedenheit der Berge holen sie auch die Ängste und inneren Widersprüche ein, mit denen sie bereits zuhause zu kämpfen hatte.In An der Grasnarbe treffen innere und äußere Landschaften aufeinander, die nicht nur durch die Klimakrise ins Wanken geraten...
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 21.05.2022
Mirjam Wittigs Debütroman beschert Rezensent Stefan Mesch ein "nervöses", aber "glückliches" Lektüreerlebnis. Der Roman folgt der Städterin Noa aufs französische Land, wo die Restauratorin vorübergehend auf einem Hof in den Bergen aushilft, nachdem sie in der Stadt Panik und Angstzustände plagten. Dabei gefällt dem Kritiker vor allem das, was der Roman hier nicht tut: Weder inszeniere er einen Milieukonflikt zwischen Stadt und Land, noch warte er - wie viele andere Bücher zur Thematik, so Mesch - mit großen Dramen auf, die irgendwann die ländliche Idylle durchbrechen. Stattdessen, und das findet Mesch viel interessanter: eine introvertierte, grundnervöse Protagonistin, die sich ihrer Unwissenheit über Land und Leute und auch ihrer leicht rassistischen Denkmuster bewusst ist, einen "staunenden", aber nie romantisierenden Blick auf das Landleben wirft, einen unaufgeregten Besuch einer Freundin erhält, auf der Bergwiese masturbiert. Ein "präzises, warmherziges" Buch, in dem sich viele Leser wiederfinden werden, schließt der Kritiker.
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