Markus Schroer plädiert in seinem neuen Buch für eine umfassende Ausweitung der soziologischen Denkzone angesichts der Herausforderungen des Anthropozäns. Dieses ist nicht bloß der Begriff für ein neues geologisches Zeitalter, sondern steht für eine umfassende Infragestellung des bisherigen Selbstverständnisses des Menschen und seiner bisherigen Auffassung von Natur, Kultur und Gesellschaft. Geosoziologie untersucht unter Rückgriff auf klassische und aktuelle Texte, wie Böden, Steine, Berge, Meere, Pflanzen, Tiere und Menschen in wechselnden Nachbarschafts-, Konkurrenz- und Kooperationsbeziehungen die Erde als Raum des Lebens gestalten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.03.2023
Der Soziologe Markus Schroer ist "kein Öko-Romantiker" hält der Historiker Herfried Münkler in seiner Rezension fest: Er beschäftige sich in seinem Buch mit dem Verhältnis des Menschen zu seinem Lebensort und kritisiere dabei die Scheuklappen der eigenen Zunft. Dazu durchschreitet der Autor in einer Tour de Force die Erd- und Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts und kommt zu dem Schluss, dass der Mensch das Anthropozän nicht überlebt, sollte er seine Existenz nicht endlich in Bezug zum "Zusammenwirken der Sterne, Pflanzen und Tiere" setzen, fasst Münkler zusammen. Obwohl sich Schroer ein immens großes Thema ausgesucht habe, ist es ihm in seinem Buch gelungen, lobt der Rezensent, durch kluge Strukturierung und Rekurs auf andere Autoren die Übersicht zu wahren und dabei aktuell sogar die Herausforderung der Corona-Pandemie mit einzubeziehen. Auch wenn er Schroer inhaltlich oft nicht zustimmt, wird Münkler durch Schroer dazu angeregt, über die Defizite soziologischer Theorien nachzudenken, die sich allein mit dem Menschen beschäftigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2022
Rezensent Gerald Wagner bringt das Buch von Markus Schroer keinen Erkenntnisgewinn. Eine Geosoziologie liefert der Autor laut Wagner nicht und auch keine Interessebekundung für die Fachsoziologie von heute. Wenn Schroer der Soziologie Verarmung vorwirft, nimmt Wagner das zwar zur Kenntnis, weiß aber zugleich, dass Bruno Latour das bereits vor Schroer getan hat. Wie das Anthropozän sich sozial gliedern ließe, erfährt er hingegen bei Schroer nicht. Als Sammlung von Fundstellen zum Thema Soziologie und Natur taugt der Band laut Wagner, zu viel mehr aber nicht, findet er.
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