Philipp Lepenies

Verbot und Verzicht

Politik aus dem Geiste des Unterlassens
Cover: Verbot und Verzicht
Suhrkamp Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783518127872
Kartoniert, 266 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Ein Reflex lähmt die politischen Debatten um den Klimawandel. Sobald es um Maßnahmen geht, die Einschränkungen bedeuten, ist die Empörung groß: Tempolimit? Der sichere Weg in die Ökodiktatur! Veggie-Day? Das war's mit dem Nackensteak! Dabei waren Verbot und Verzicht lange bewährte Instrumente, um Ressourcen zu schonen oder ökologische Krisen zu bewältigen. Man denke nur an das FCKW-Verbot. Philipp Lepenies untersucht die Ursprünge dieser eingeübten Fundamentalopposition. Er führt sie auf die neoliberale Haltung zurück, die im Staat einen Gegner sieht und individuelle Konsumentscheidungen über moralische und ökologische Bedenken stellt. Dieser Geist falsch verstandener Freiheit hat allerdings eine Politik des Unterlassens hervorgebracht, die sich scheut, das Offensichtliche auszusprechen: dass eine sozialökologische Transformation ohne Verbot und Verzicht nicht gelingen wird.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2022

Für den Rezensenten Peter Unfried greift Philipp Lepenies zu kurz, wenn er meint, hinter den gesellschaftlichen Ängsten vor Verboten und vermeintlicher Freiheitsberaubung stecke der Neoliberalismus. Zwar findet er Lepenies lesenswert, wenn der Autor zeigt, wie die Profiteure des freien Marktes das Gemeinsame geschwächt haben, doch scheint ihm das Bashing zugleich allzu "eindimensional". Mit dem Neoliberalismus baut der Autor einen Popanz auf, den selbst ein Macron oder Lindner nicht mehr abgeben, findet Unfried. Hilfreich scheinen ihm die Analysen im Band dennoch. Etwa um den aktuellen "Benzinpreis-Populismus" zu verstehen. Allerdings: Regulierung wird immer sein, meint Unfried.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2022

Rezensentin Meredith Haaf kommt mit Philipp Lepenies Buch nicht sehr gut zurecht. Schon die Aussage des Autors, dem deutschen Staat werde von seinen Bürgern das Verbotsrecht aberkannt, findet er angesichts breiter Zustimmung zu Coronamaßnahmen absurd. Doch dem Autor geht es um den Klimaschutz und die vermuteten Proteste gegen verordnete "Konsumeinschränkungen", räumt Haaf ein. Hier fragt sich die Rezensentin, wieso die Diskussion staatlicher Verbote eigentlich nicht legitim sein sollte. Eine Antwort bietet ihr der Autor nicht, sondern drischt stattdessen auf den Neoliberalismus und seine "Konsumverherrlichung" ein und plädiert für größere staatliche Handlungsspielräume. Einen echten Mangel daran, etwa in Brüssel, kann Haaf allerdings nicht erkennen. Eine tiefe, treffende Kritik des "neoliberalen Staatsverständnisses" bleibt ihr der Autor überdies schuldig.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 11.03.2022

Rezensent Ulf Poschardt schimpft über das "langweilige" Buch von Philipp Lepenies. Den Klappentext zu lesen, genügt eigentlich, meint er. Das Feindbild des Neoliberalismus, das der Autor bedient, hängt Poschardt zum Hals raus (auch, weil es Tempolimit predigt - das mag Poschardt gar nicht, vor allem, wenn er im Buch selbst adressiert wird), die Sprache des Buches findet er "pointenfrei" und "gestanzt", ganz im Stil "linker Stammtischrhetorik", meint er. Was das Narrativ des Buches infrage stellen könnte, kommt bei Lepenies nicht vor, kritisiert der Rezensent. Allein die allzu deutliche Parteilichkeit des Tons ist dazu angetan, jeden Andersdenkenden in die Flucht zu schlagen, so Poschardt. Mehr als "Schulphilosophie" für Beginner kann er in dem Buch nicht erkennen. Und die zeigt sich für ihn u. a. darin, dass der Autor die Klassiker des Liberalismus wie ein Wikipedia Artikel resümiert.

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