Mirna Funk

Winternähe

Roman
Cover: Winternähe
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100024190
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Lola ist in Ost-Berlin geboren, ihr Vater macht rüber und geht in den australischen Dschungel. Sie wächst auf bei ihren jüdischen Großeltern und ist doch keine Jüdin im strengen Sinne. Ihre Großeltern haben den Holocaust überlebt, sie selber soll cool bleiben bei antisemitischen Sprüchen. Dagegen wehrt sie sich. Sie lebt in Berlin, sie reist nach Tel Aviv, wo im Sommer 2014 Krieg herrscht. Sie besucht ihren Großvater und ihren Geliebten, Shlomo, der vom Soldaten zum Linksradikalen wurde und seine wahre Geschichte vor ihr verbirgt. Lola verbringt Tage voller Angst und Glück, Traurigkeit und Euphorie. Dann wird sie weiterziehen müssen. Hartnäckig und eigenwillig, widersprüchlich und voller Enthusiasmus sucht Lola ihre Identität und ihr eigenes Leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.12.2015

Meike Feßmann gibt sich zufrieden mit diesem Debütroman der Journalistin Mirna Funk. Das Thema Identität in Zeiten des multimedialen Selbstdarstellungszwangs scheint ihr interessant genug. Sogar sprachliche und dramaturgische Mittelmäßigkeit nimmt Feßmann dafür in Kauf. Die aus der jüdischen Familiengeschichte der jungen, im Dauerstress sozialen Networkings gefangenen Protagonistin sich ergebenden Fragen hätte sich Feßmann bei aller Spannung der Story allerdings etwas eindringlicher behandelt gewünscht. Ob Identitätsfragen für die Generation Selfie überhaupt noch relevant sind, weiß Feßmann nämlich gar nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2015

Rezensentin Katharina Teutsch hofft, die Protagonistin dieses Romans von Mirna Funk und auch die Autorin selber wissen einiges mehr über das Verhältnis der Deutschen zum Judentum und über den israelisch-palästinensischen Konflikt als im Buch zu entdecken ist. Was als vielversprechende Rollenprosa über das Leben als Zielscheibe antisemitischer Trivialisierungsversuche bzw. philosemitischer Empathie beginnt, schöpft laut Teutsch das Potential der Story nicht aus. Über das Leben (der Protagonistin wie der Autorin) als Vaterjüdin in der DDR hätte die Rezensentin gern mehr erfahren. Stattdessen wird sie im in Israel spielenden zweiten Teil des Buches mit Klischees und Stilisierungen über jüdische Identität konfrontiert. Das "journalistische Gespür" der Autorin passt nicht zu dem ressentimentgeladenen Text, findet Teutsch.

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