Dana von Suffrin

Nochmal von vorne

Roman
Cover: Nochmal von vorne
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2024
ISBN 9783462002973
Gebunden, 240 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Was hält eine Familie zusammen, in der es nur Fliehkräfte zu geben scheint und alles darauf hinausläuft, dass etwas zu Bruch geht? Am Ende nur die eigene Geschichte. Der Tod ihres Vaters und die Auflösung seiner Wohnung bringt für Rosa vieles in Bewegung, bei dem sie eigentlich froh war, dass es geruht hatte. Denn die Geschichte der Familie Jeruscher ist ein einziges Durcheinander aus Streitereien, versuchten oder gelungenen Fluchten, aus Sehnsüchten und enttäuschten Hoffnungen und dem vergeblichen Wunsch, irgendwo heimisch zu werden. Nun ist alles wieder da: die Erinnerungen an ihre irrwitzige Kindheit in den 90ern, an das Scheitern der Ehe der Eltern und die Verwandtschaft in Israel, aber auch ihre verschwundene ältere Schwester, mit der sie aus gutem Grund gebrochen hatte. Kraftvoll und mit großartigem schwarzen Humor erzählt Dana von Suffrin von einer deutsch-jüdischen Familie, in der ein ganzes Jahrhundert voller Gewalt und Vertreibung nachwirkt - und von zwei Schwestern, die sich entzweien und wieder versöhnen, weil es etwas gibt, das nur sie aneinander verstehen.  

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 27.06.2024

Rezensent Jan Drees wünscht sich nach "Otto" und diesem neuen Roman schnell eine Fortsetzung von Dana von Suffrins jüdischer Familiengeschichte. Aber daran hat der Kritiker wenig Zweifel, ist Suffrin doch mit dem Freud'schen Wiederholungszwang bestens vertraut, wie nicht nur der Titel verspricht. Auch die Geschichte selbst kreist immer wieder um das ungleiche Schwesternpaar Rosa und Nadja, die nach dem Tod des Vaters und dem Verschwinden der Mutter letzte Dinge zu regeln haben. Immer wieder werden die Episoden unterbrochen von retrospektiven Anekdoten Rosas, die sich an ihre Kindheit, das komplizierte Elternverhältnis oder die nicht weniger schwierige Beziehung zu ihrer Schwester erinnert. Nach und nach blickt der Kritiker durch ein "Kaleidoskop" der Neurosen, das München der Achtziger schimmert ebenso durch wie die Besuche bei der Großmutter in Israel. Vor allem aber, und das betont Drees, bestechen der Witz und die Ironie, mit denen Suffrin mit vermeintlichen Identitäten spielt, etwa wenn sie ihre deutsche Mutter mit BDM-Zöpfen beschreibt. Und wenn Suffrin ihre "Woody-Allen-Figuren" vor dem Hintergrund von Holocaust und Antisemitismus ohne jede Sentimentalität Familiendramen erleben lässt, sieht Drees sie gar in der Tradition des großen jüdisch-amerikanischen Romans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2024

Rezensentin Katharina Teutsch hat Dana von Suffrins Buch gerne gelesen. Darin variiert die Autorin, wie der Titel ankündigt, die in ihrem ersten Roman erzählte Geschichte einer jüdisch-deutschen Familie mit Wurzeln in Siebenbürgen: Diesmal ist der Familienvater Herr Jeruscher im heutigen Rumänien verstorben, um die Formalitäten kümmern sich in Abwesenheit der mit Selbstfindungsabsicht nach Thailand gereisten Mutter die Tochter Rosa und ihre Schwester. Von Suffrin verarbeitet hier, wie die Rezensentin feststellt, ihre eigene schwierige Familiengeschichte, denn auch sie ist die Tochter eines jüdischen, aus Siebenbürgen stammenden Israeli und einer nicht-jüdischen deutschen Mutter. Besonders beeindruckt zeigt sich Teutsch davon, wie die Autorin den weltgeschichtlichen Hintergrund der Handlung, insbesondere das Schicksal der in Nordsiebenbürgen lebenden Juden, das 1940 an das faschistische Ungarn übergeben wurde, lebenden Juden, mit der privaten Ebene  einer komplizierten Kindheit und Jugend in Vororten Münchens verbindet. Da der formale Aufbau der Erzählung die Rezensentin an einigen Stellen noch nicht ganz überzeugt, freut sie sich umso mehr auf eine Wiederbegegnung mit den Romanfiguren im nächsten Buch.
 

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