Istanbul - die alte, die moderne, die zukünftige Stadt, die Stadt der Gegensätze, geprägt durch die brutale Dynamik religiöser, politischer, wirtschaftlicher und sozialer Transformationsprozesse. Wie keine andere Metropole versinnbildlicht Istanbul die großen Themen unserer Zeit. Die Fotografien von Maria Sewcz sind eine bildanalytische Interpretationen dieses sich vor unseren Augen abspielenden Ereignisses - Schnitte durch Raum und Zeit zwischen Europa, Balkan, Nahem und Fernem Osten.
Ihre Bildpaare fixieren die Stadt in der Konfrontation von Lebensgier und Argwohn, dem quirligen Durcheinander der Strukturen, der Nachbarschaft von Ruinen und in den Himmel strebender Betonburgen, Ramsch und Reichtum, Religion und Laizismus. Ihre Bilder sind Zeugnisse dieser rohen Energie, die fasziniert und zugleich abschreckt.
Der Text von Monika Rinck ist die poetisch-deutende und zugleich eigenständig-erzählerische Begleitung der Bildwelten von Maria Sewcz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 25.09.2018
Ingeborg Ruthe erkennt das Fremdsein der Fotografin Maria Sewcz in Istanbul. Die Fotos im Band, begleitet von Monika Rincks Texten, zeigen ihr allerdings ein anderes Istanbul als das der Touristen oder der politischen Auseinandersetzung. In die Winkel der Stadt, zum Widersprüchlichen, zu den Häusern, Hinterhöfen und Baugruben führt sie die Künstlerin. Fast ohne Menschen und wie zufällig wirkt das auf Ruthe, und doch ahnt sie das Systematische dieser Foto-Erzählung. Maria Sewcz tritt ihr darin als scharfe Beobachterin entgegen, unpathetisch, lakonisch und in der Lage, das Banale in einen größeren Zusammenhang zu stellen.
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