Das berühmte Sammelwerk "Les Lieux de Memoire" von Pierre Nora erzählt die Geschichte Frankreichs als ein Mosaik von Erinnerungsorten. Davon ausgehend, wurden bislang "Orte des Gedächtnisses" zumeist im Zusammenhang von nationalen Geschichtsschreibungen dargestellt. Doch müssen alle kollektiven Identitätsbildungsprozesse tatsächlich mit dem Verdikt der Konstruktion nationaler Identität belegt werden? Die Beiträge im vorliegenden Band wählen einen anderen, innovativen Zugang: Sie gehen von der Annahme prinzipiell transnationaler Provenienz und Relevanz der in den Erinnerungsorten versammelten Identifikatoren aus - die freilich immer wieder national vereinnahmt wurden und werden, also instrumentalisierbar sind. Als paradigmatisches Forschungsfeld dient Zentraleuropa.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2003
Gerade in Zeiten des europäischen Zusammenwachsens stellen sich nationale Identität und transnationale Integration als scheinbar gegensätzliche Kräfte dar, als Ringen zwischen der Bewahrung des Eigenen und der Fügung in ein Ganzes, so der mit "G. K." zeichnende Rezensent. Wie diese Kräfte sich zueinander verhalten, versuche diese Studie am Beispiel transnationaler Gedächtnisorte in Zentraleuropa zu erforschen, da die "besondere historische Konstellation" der zentraleuropäischen Länder den derzeitigen "Orientierungswechsel" zu einer Identitätssuche zwischen Selbstfindung und Eingliederung mache. Unter anderem am Beispiel der Donau und der Figur des Forstingenieurs und Erfinders Josef Ressel, die acht Länder für sich beanspruchen, ergibt sich für den Rezensenten das Bild eines Europas, das gerade in der konkurrierenden Identitätsfindung seine "Gemeinsamkeiten" pflegt.
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