Vor gut sechzig Jahren kamen die ersten Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Wo stehen wir heute, nach so vielen gemeinsamen Jahren? Musa Deli zeigt, wie sehr auch die dritte Generation noch von der Migration geprägt ist, und wie es besser laufen könnte. "Wir sind ein Land mit Migrationshintergrund", stellte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unlängst fest. Die deutsche Gesellschaft hat längst ein internationales Gesicht. Und doch fragen sich viele angesichts von jubelnden Erdogan-Fans in Köln oder protzenden migrantischen Jugendlichen in dicken Autos, ob die Integration wirklich gelungen ist. Musa Deli kennt die Sorgen, Probleme und Hoffnungen der Deutschtürken von seiner Arbeit als Sozialpsychologe in Köln wie kaum ein anderer. Seine aus persönlicher wie allgemeingültiger Sicht geschilderte Geschichte der drei Generationen von Türken in Deutschland ist eine Analyse der Lebenswirklichkeit in Deutschland in all ihren Facetten. Gerade in Hinblick auf die aktuelle Migration ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, was es bedeutet, in einem fremden Land aufzuwachsen.
Rezensentin Christina Janssen liest Musa Delis Buch über die Traumata der Kinder türkischer Arbeitsmigranten mit Gewinn. Als Sozialpsychologie kennt der Autor die Geschichten von Trennung, Fremdenfeindlichkeit und schulischen Enttäuschungen. Wie Deli Biografisches, Historisches und Aktuelles verwebt und auch Kritik am Einwanderungsland Deutschland anbringt, findet Janssen augenöffnend, auch weil der Autor die migrantische Community nicht mit Samthandschuhen anfasst und dennoch feinfühlig bleibt in seinen Beobachtungen und Analysen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2022
Sara Maria Behbehani empfiehlt Musa Delis Buch für eine differenziertere und sachlichere Betrachtung von Migrationserfahrungen in Deutschland. Als Leiter des Kölner Gesundheitszentrums für Migranten mit eigener Migrationsgeschichte weiß der Autor laut Behbehani genau, wovon er schreibt. Dass Deli darüber hinaus der Wunsch antreibt, Vorurteile abzubauen und zu vermitteln, findet die Rezensentin ehrenhaft. Und es funktioniert, versichert sie: Delis Hintergrundberichte über Türken mit teuren Autos, aber ohne Sprachkenntnisse sind augenöffnend und dazu angetan, Differenzen zu beseitigen, findet sie. Die ein oder andere positive Migrationserfahrung hätte dem Band allerdings nicht geschadet, setzt sie hinzu.
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