Viel ist geredet worden über das "abgehängte Prekariat", die "neue Armut" oder die Unterschicht. Wer dabei selten zu Wort kam, waren die Betroffenen selbst, aber auch die Helfer in der Schule, in den Ämtern, in den Familien. Dies Buch gibt diesen Menschen eine Stimme - sie selbst erzählen, wie es ist, ganz unten zu leben. In den vergangenen Jahren hat sich eine Gruppe der "Ausgeschlossenen" gebildet - Menschen, die nicht mehr am Leben in diesem Land teilnehmen und kaum Hoffnung haben, dass dies eines Tages wieder gelingen wird. Die Autoren haben sie aufgesucht - Familie Weber und die Schüler der Förderschule in Wattenscheid; Heidemarie Danzer, die Menübotin in Berlin, die arm ist, obwohl sie arbeitet; die Mitarbeiter und "Kunden" des reformierten Arbeitsamtes Hagen und die Insassen im Jugendarrest in Wetter an der Ruhr.
Für seine ungemein packende Nahaufnahmen feiert Rezensent Dorion Weickmann dieses Buch über das Leben in den ärmeren Milieus, die nun offenbar auch in kritischeren Kreisen wieder als "Unterschicht" bezeichnet werden dürfen. Er lobt die Vielschichtigkeit des Buches ebenso wie sein Reichtum an Schicksalen und Menschen. Als besondere Qualität hebt er den Respekt hervor, den das Autorentrio seinem Gegenstand und den betroffenen Menschen entgegenbringt. Wie weiland Günter Wallraff hätten sich die drei im Wesentlichen als teilnehmende Beobachter verstanden, hätten den Alltag von Menschen, die sich "im Paralleluniversum der Sozialtransfers" durchs Leben hangeln würden, teilweise jahrelang begleitet und gäbe nun fast unkommentiert seine Eindrücke im Wechsel mit amtlichen Verlautbarungen zum Thema wieder. Am Ende summieren sich speziell die dokumentierenden Einschübe von Einzelschicksalen aus Sicht des Rezensenten zu einem schockierenden Dossier der Abwärtsspirale, in der er längst nicht mehr nur das klassische Prekariat verfangen sieht.
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