Vor wenigen Jahren galt allein der Begriff als anstößig, jetzt steht er für eine grundsätzliche Diskussion über die Grundlagen unseres Landes. Was versteht man unter 'Leitkultur'? Wie verhält sie sich zu Recht, zu Politik, Bildung und Wissenschaft? Ist es ein tauglicher Begriff? Kann 'Leitkultur' spezifisch 'deutsch' sein oder steht sie für einen europäischen Weg? Bundestagspräsident Norbert Lammert hat die Debatte neu belebt. Vierzig prominente Autoren aus Politik, Kultur und Wirtschaft sind seiner Einladung gefolgt - und bieten teilweise überraschende Antworten auf diese Fragen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.10.2006
Durchaus interessant scheint Rezensent Christoph Schwennicke dieses Buch von Norbert Lammert zu sein, das 42 kurze Essays von prominenten Zeitgenossen aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zur Debatte um die zentralen Werte unserer Gesellschaft versammelt. Eine Debatte, die Schwennicke an sich für sinnvoll und wichtig erachtet. Allerdings hegt er eine tiefe Skepsis gegen den Begriff der "deutschen Leitkultur", einen "tödlichen Kampfbegriff", der der Debatte seines Erachtens von Vornhinein den Garaus macht. So sehen es im übrigen auch die meisten Autoren des Bandes, betont Schwennicke. Bei vielen Beiträgen von Adorf bis Westerwelle, von Wolf Lepenies, Jürgen Flimm bis zu Julian Nida-Rümelin hat er zudem das Gefühl, dass sie aus dem "Formulierungsbaukasten des Computers" von der jeweiligen Grußwortabteilung zusammengebastelt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.10.2006
Rezensent Matthias Arning hat die Texte, die Norbert Lammert, Präsident des Deutschen Bundestages, in diesem Band versammelt hat, durchaus mit Interesse gelesen. 42 Prominente hat er um ihre Positionen zur Debatte um Integration und Leitkultur gebeten, darunter Kritiker des Begriffs wie Seyran Ates, Ekin Deligöz und Fritz Kuhn oder Befürworter wie Volker Kauder und Angela Merkel, die darüber hinaus auch den Verfassungspatriotismus verabschieden wollen. Im Ergebnis, stellt Arning dann allerdings fest, bringe der Band die Debatte nicht voran, sondern stelle sie zurück auf Null. Zuletzt zitiert der Rezensent die seiner Ansicht nach gewichtigsten Stimmen des Bandes, Kardinal Karl Lehmann und Jutta Limbach, bei denen das aktuelle Modeadjektiv "deutsch" blanken Schrecken auslöse. Und den Begriff "Leitkultur", stimmt der Rezensent der früheren Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts zu, sollte man beim nächsten Debattenversuch einfach aus dem Spiel lassen.
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