Zum 90. Geburtstag feiern wir die Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer mit zwei Bänden, die erstmals eine gültige Auswahl ihres essayistischen und erzählerischen Werkes vorstellen, ausgewählt von der Autorin selbst, mit Essays und Erzählungen, die nie zuvor auf Deutsch erschienen sind. Die Erzählung steht am Beginn ihres Schaffens: Mit vierzehn veröffentlicht Nadine Gordimer ihre erste Kurzgeschichte, die erste Buchpublikation ist ein Erzählungsband. Während die Romane ihren Weltruf begründeten, hält Gordimer die Kurzgeschichte für die literarische Form unserer Zeit, immer wieder kehrt sie zu ihr zurück. "Erlebte Zeiten" bietet nun erstmals einen Querschnitt dieses großen Werkes, Erzählungen, die einen Bogen über sechs Jahrzehnte spannen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2013
Die gesammelten Erzählungen von Nadine Gordimer, die ihr deutscher Verlag zum 90. Geburtstag der Autorin herausbringt, faszinieren Meike Fessmann auf eher spröde Art und Weise. Nicht die Poesie, nicht der Stil, nicht die Verführung des Lesers, schreibt Fessmann, stünden in den Texten im Vordergrund, sondern der jeweilige Stoff und immerzu die Würde des Menschen. Farbige Bilder schließt das laut Rezensentin nicht aus. Das Bild von Gordimers Heimat Südafrika findet Fessmann in den Texten allerdings nicht selten apokalyptisch gefärbt. Immer wieder kommen für die Rezensentin beim Lesen die spezifische Lage und die Umbrüche Südafrikas in den Blick. Ob in einer "scheinbar banalen" Trennungsgeschichte oder in zwei hier erstmals präsentierten späten Texten. Die "etwas nachlässige" Editionsarbeit an diesem Buch kann Fessmann die Lektüre nicht verderben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013
Jammer, Schande, ruft Rezensent Jochen Hieber. Doch nicht wegen der Qualität der Texte von Nadine Gordmimer, keineswegs. Nein, Gordimer ist hier zu entdecken, so Hieber, in all ihrer essayistischen Eloquenz und ihrem Engagement, gegen Rassismus und Korruption etwa. Oder auch in ihrem erzählerischen Werk (hier knapp 40 Texte aus der Zeit von 1952-2008), das jeweils kompositorisch vorne und hinten offen ist, wie Hieber erläutert, mitunter richtig brillant (so die kurze Story "Ein Stück rubinrotes Glas") oder auch mal heillos überkonstruiert und überfrachtet ("Die endgültige Safari"). Und weiter? Nichts weiter! Da alles Frühere an Auswahlbänden vergriffen ist, muss sich der Rezensent als Liebhaber an diese Ausgabe halten, die editorisch das Letzte ist, wie er wütend konstatiert: Weder ausreichend Anmerkungen noch überhaupt Einführungen noch Glossar. Muss er eben alleine klarkommen, der Rezensent.
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