Aus dem Russischen von Ganna-Maria Baumgart. Russland heute ist ein Land der Extreme: bitterste Armut in den abgehängten Provinzen, schamlos ausgestellter Reichtum in der Megametropole Moskau. Ein Land, in dem die Wut brodelt und junge Leute revolutionär gestimmt sind. Sie sympathisieren mit den Zarenattentätern, befassen sich mit Bombenbau oder übersetzen Slavoj Zizek. Nikita, Anfang Zwanzig, ist einer von ihnen: ein Petersburger Student, der zu Ohnmachtsanfällen neigt und mit Jasja zusammen war, bevor sie einem Geschäftsmann in die Schweiz folgte. Ihren Verlust kann er nicht verwinden. Seit sie fort ist, hält es ihn nirgends mehr. Er fährt kreuz und quer durchs Land und gewinnt mit seinem Lächeln das Vertrauen wildfremder Menschen, die ihm in der Eisenbahn ihr Leben erzählen Geschichten, die ihn aufwühlen und schließlich zum Handeln zwingen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.08.2010
Ilma Rakusa hatte große Freude bei der Lektüre von Natalja Kljutscharjowas "Endstation Russland". Protagonist des Romans ist Nikita, ein russischer Student Anfang Zwanzig, der unsterblich in eine angehende Pornodarstellerin verliebt ist und zu politischen Tagträumen neigt. Auch seine Freunde haben allesamt verschrobene Hobbys und merkwürdige Weltanschauungen. "Russland als Tollhaus", dieser Topos ist für die Rezensentin nicht neu. Doch der Autorin sei "ein kleines Meisterwerk" gelungen, so die begeisterte Rakusa, welches gleichermaßen ernst, komisch und lyrisch sei. Ebenso überzeugend wie der Roman ist auch die Übersetzung von Ganna-Maria Braungardt, findet die Rezensentin.
Nur eine "halbherzig fiktionalisierte Sozialreportage" kann Stephanie Flamm in diesem Prosadebüt erkennen, dessen Original vor vier Jahren in Russland sehr gefeiert wurde. Im Zentrum stehe der fade Held Nikita, der dafür lauter illustre Bekannte habe und seine Erlebnisse laufend debattiere und analysiere. Ziellos sieht die Kritikerin ihn durch die russische Provinz fahren, und zu dem Ergebnis kommen, wie tief das Land zwanzig Jahre nach der Perestroika im Dreck stecke. Dieser Befund ist aus Sicht der Kritikerin allerdings zu dünn, um schon Literatur ausmachen zu können. Nikita fehlt aus ihrer Sicht ein klares Profil, etwa die "hasserfüllte Verzweiflung", mit der Christian Kracht einst den Helden von "Faserland" durch Deutschland schickte. Auf den ersten Blick konnte sie nicht mal erkennen, dass dies überhaupt ein Gegenwartsroman sein soll.
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