Natascha Wodin

Die späten Tage

Über das Altwerden und eine späte große Liebe 
Cover: Die späten Tage
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498003340
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Was bedeutet es, wenn man sich in hohem Alter noch einmal verliebt? Wenn nicht mehr viel Zeit füreinander bleibt und man sich eigentlich schon im Alleinsein eingerichtet hat? In Natascha Wodins neuem Buch wagt die Erzählerin den Versuch, die Liebe über die Einsamkeit siegen zu lassen, ein letztmögliches Lebensexperiment, in dem sich die Fragen nach Liebe und Tod mit existenzieller Dringlichkeit stellen und die Mühen des Alters zum Alltag gehören. Die Geschichte des Paares ist der rote Faden im Text, einem Gewebe aus Erinnerungen, Reflexionen, Beobachtungen - aufgezeichnet an einem mecklenburgischen See mit Blick auf das Wasser und den gegenüberliegenden Horizont.Natascha Wodin erzählt von widersprüchlichen Gefühlen, von Nähe und Fremdsein in einer Beziehung, ihren Gedanken an den näher rückenden Tod und den Schmerz des unaufhaltsamen Abschieds. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.01.2026

Entgegen aktueller Trends beschreibt Natascha Wodin das Alter in ihrem neuen Buch mit ungeschöntem Realismus, hält Rezensentin Ursula März fest. Schmerzen, Existenzängste und Scham spielen ebenso eine Rolle wie eine erstaunliche Liebe im Alter, die allerdings auch nicht ganz unkompliziert ist, wie März verrät. Es ist für sie keine leichte, aber eine lohnenswerte Lektüre, die zwar keine lineare Handlung hat, aber Wodins späten Erfolg mit einem Buch über die Lebensgeschichte der Mutter, einer ukrainischen Zwangsarbeiterin, mit der neuen Beziehung und der damit verbundenen Rettung vor der Einsamkeit verknüpft und davon mit reicher Bildsprache erzählt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.12.2025

Ein starkes, nüchternes Buch über das Altern aber auch über die Liebe hat Natascha Wodin laut Rezensentin Cornelia Geißler geschrieben. Unter anderem thematisiert Wodin darin, lesen wir, ihren späten Durchbruch als Erfolgsautorin mit dem Buch "Sie kam aus Mariupol", das von ihrer ukrainischen Mutter handelt und 2017 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. In ihrem neuen Buch macht sich Wodin über literarische Beschreibungen des Älterwerdens lustig, die die Härten dieses Prozesses nicht benennen - und doch liest Geißler hier nicht einfach ein Buch über Resignation, vielmehr öffnen sich bei Wodin immer wieder bereichernde Gedankenwelten. Die haben mal mit Wodins Leseerfahrungen zu tun, mal auch mit einer neuen Liebe in ihrem Leben. Insgesamt entsteht dabei, so die vom Buch sehr angetane Rezensentin, eine tolle Beschreibung des Älterwerdens, die einem weder Angst einjagen noch auf Teufel komm raus Hoffnung machen will.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.12.2025

Natascha Wodins Buch über eine späte Liebe nimmt Rezensenten Meike Fessmann sofort für sich ein: Nach dem Erfolg ihres Buches über die Mutter, die als Zwangsarbeiterin nach Deutschland kommt und sich das Leben nimmt, als Wodin zehn Jahre alt ist, erzählt sie nun schonungslos von der späten Liebe, die ihr durch den sieben Jahre alten Friedrich widerfährt. Davon erzählt sie nicht chronologisch, so Fessmann, sondern sie entwirft "Erinnerungstableaus", in denen genaue Details immer wieder mit Unschärfen konfrontiert werden, die Frage nach dem eigenen Altern schwebt über allem. Für die Kritikerin sind besonders der warme Ton Wodins und ihre Fähigkeit überzeugend, das Alter nicht als separates Element, sondern als Verwicklungen des eigenen Lebens zu schildern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2025

Rezensentin Lerke von Saalfeld bewundert, wie Natascha Wodin zu spätem schriftstellerischem Ruhm und später Liebe gefunden hat. Den Weg dahin beschreibt und bilanziert die Autorin mit russisch-ukranischer Herkunft in diesem Roman, erklärt die Rezensentin. Der Selbstmord der Mutter, das Aufwachsen im katholischen Internat, Traumata, Ängste spielen eine Rolle, aber auch das Glück des Schreibens und Übersetzens und die Wohltat, sich im hohen Alter noch einmal zu verlieben. Trauer und Freude wechseln einander ab und ebenso raue und zärtliche Tonlagen, meint Saalfeld. Ein Buch ohne Tabus und Beschönigungen, verfasst in fließender Sprache, so Saalfeld. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.12.2025

"Schonungslos radikal" und dabei von einer großen sprachlichen Klarheit ist Natascha Wodins Roman über das Älterwerden, versichert Rezensent Jörg Magenau. Dabei lässt Wodin keinen Zweifel daran: Das Älterwerden ist für sie eine "Zumutung" auf die man von niemandem vorbereitet wird. Es kommen denn auch alle unangenehmen Seiten eines alternden Körpers zur Sprache, erklärt Magenau: Schmerzen, Scham, Schwerfälligkeit und so weiter. Deprimierend ist das deshalb nicht, weil Wodin gleichzeitig eine "erstaunliche Liebesgeschichte" erzählt und zwar von der späten Liebe zu Friedrich, einem "schönen alten Mann" mit "etwas vogelhaften Zügen". Diese Liebe ist keinesfalls nur zweckmäßig, sondern echt und leidenschaftlich. So stellt dieser Text nicht nur eine feinfühlige Auseinandersetzung mit dem Alter und der Vorbereitung auf den Tod dar, sondern ist auch eine echte literarische "Rarität", staunt der Kritiker. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2025

Natascha Wodin ist eine "große Selbstbeobachterin", lobt Rezensentin Katharina Teutsch diese Erinnerungen der heute 80-jährigen Autorin. Es ist kein sehr glückliches Leben, auf das sie zurückblickt. Inzwischen haben sie auch noch Krankheiten eingeholt. Aber es ist auch etwas wunderbares geschehen: Eine späte Liebe, lesen wir. Teutsch ist sehr angetan von diesen Erinnerungen, die "schonungs-, jedoch nicht schamlos" von den Tücken und Leiden des Alters erzählen, aber auch immer darüber hinaus reflektieren. Wodins "intellektueller Frische" konnte das Alter jedenfalls nichts anhaben, meint eine bewundernde Rezensentin. 

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