Luft zum Leben
Geschichten vom Übergang

dtv, München 2025
ISBN
9783423285131
Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Vom Einverstandensein mit dem Leben - so, wie es ist. Eine Frau flaniert in den frühen Achtzigerjahren nach Feierabend durch Ostberlin, weil sie einmal nicht als Erste zu Hause sein möchte. In Moskau soll eine Schriftstellerin die Primaballerina Ulanowa portraitieren, wartet tagelang auf ein Treffen und erlebt dann Unverhofftes. Ein Kind atmet zum ersten Mal ein, eine Großmutter zum letzten Mal aus. Und eine Frau in den mittleren Jahren versucht, mit einer Krebsdiagnose umzugehen.Von Sehnsucht und Fernweh, von Diktatur und innerer Freiheit, vom Menschsein und Menschbleiben erzählen diese Geschichten.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.12.2025
In ihrer neuen Sammlung von Texten aus 60 Jahren macht Helga Schubert ein weibliches Leben in Deutschland, und damit ein Stück deutsche Geschichte erlebbar oder genauer gesagt: fühlbar, lobt Rezensent Gustav Seibt. Denn so divers diese Texte sein mögen, was Form, Inhalt und den historischen Kontext betrifft, die große Stärke dieser Autorin ist in allen und auch schon den ältesten Texten deutlich zu spüren: Die Reduktion auf das "Anschauliche", wie Seibt es ausdrückt. In eindringlichen Bildern erzählt sie etwa vom unheimlich plötzlichen Ende der Kindheit ihres Sohnes, als dieser zur Armee geht, oder dem so unterschiedlichen Tod ihrer Großmütter und immer wieder vom gelebten, aber auch dem nichtgelebten Leben in der DDR-Diktatur, die sie, im Gegensatz zu anderen Kritikern und Kritikerinnen wie Christa Wolf nicht nur reformieren, sondern rigorors und im Ganzen ablehnte. Wie sie durch diese Haltung zu einem "Opfer der Literatur" wurde, auch davon handelt einer ihrer Texte, der "giftigste" unter ihnen, erklärt Seibt. Doch, betont der Rezensent, Schuberts kritischer Blick richtet sich hier nicht nur auf die deutsche Vergangenheit. In einem dreißigseitigen Vortrag etwa schaut sie voller Hellsicht auch auf die gegenwärtigen Verhältnisse. Mit diesem Band gelingt Helga Schubert eine "sagenhafte Renaissance", so der begeisterte Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.12.2025
38 Texte findet Kritiker Christoph Schröder in diesem neuen Buch der nun schon 85 Jahre alten Autorin Helga Schubert. Sie sind zwischen 1960 und 2025 entstanden und umfassen so ihr ganzes Erwachsenen- und Schriftstellerleben. In bekannt nüchternem, präzisen Ton schreibt sie über ihre erste Schwangerschaft mit 19, über das Kind, das dann später in die NVA eintreten muss, über die Überwachung durch die Stasi und, für Schröder ein Highlight, über einen Tagesbesuch in West-Berlin 1978, bei dem sich die Ost- und West-Realität begegnen und in dem Schuberts Mischung aus persönlichem und politischem Blick besonders zur Geltung kommt. Eine Sammlung, die für den Kritiker zeigt: Schubert hat sich Zeit ihres Lebens "innere Freiheit" und "klaren Verstand" bewahrt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Rezensentin Melanie Mühl liest mit großer Freude die Texte der Autorin Helga Schubert, die sie als "Zuversichtsautorin" schätzt: Immer gibt es bei Schubert einen Ausweg oder eine Lösung, die man sich am Anfang nicht hätte vorstellen können. Auch mit dem Ungeordneten dieser Textsammlung kommt die Rezensentin gut klar. Sechzig Jahre alte Texte stehen neben ganz frischen, Veröffentlichtes neben Unveröffentlichtem, analytische Essays neben Gedichten. Als einen Schlüsseltext zu Schuberts Auseinandersetzung mit der DDR begreift Mühl "Das verbotene Zimmer", in dem jenes kurz bewohnte, nun verbotene Zimmer zur Metapher für den politischen Raum wird, für die Sehnsucht nach Freiheit. Wie und warum sich Schubert von Christa Wolf verraten fühlte, ist Thema der Geschichte "Ein Opfer der Literatur", verrät Mühl, die viel aus dieser Sammlung zitiert und von dem "schönen lakonisch klugen" Ton Schuberts schwärmt.